Unbenanntes Dokument

ZUCHT

So einfach die Haltung ist, so schwierig kann manchmal die Zucht der Klettermäuse sein. Leider vermehrten sich außer den Importtieren, die ich erhalten habe, bei den wenigen anderen Haltern überhaupt keine der Wildfänge, und auch unter meinen waren Tieren, die sich nie fortpflanzten. Ebenso konnten die meisten Pfleger, die Nachzuchttiere bekommen hatten, selbst keinen Nachwuchs mit diesen erzielen. Andere jedoch hatten von Anfang an keine Schwierigkeiten. Es scheint bei Dendromus, ähnlich wie es auch bei Roborowski-Zwerghamstern oft der Fall ist, häufig Paare zu geben, die zwar scheinbar gut harmonieren, aber dennoch nie zur Fortpflanzung kommen, während andere regelmäßig Junge hervorbringen.

Hat man ein passendes Pärchen, so klappt die Vermehrung so einfach wie bei anderen Mäusen auch. Theoretisch können auch die Klettermäuse etwa einmal im Monat Junge werfen, meist 3-6 je Wurf. Meist legen aber auch Weibchen, die mehrere Würfe hintereinander in Monatsabstand bekommen haben, irgendwann ein Vermehrungspause ein. Ansonsten kann man Männchen und Weibchen auch eine zeitlang trennen, um dem Weibchen eine Erholungspause zu geben.

Zumindest bei meinen Tieren ist das Nestbauverhalten interessanterweise genau umgekehrt wie bei meinen Eurasischen Zwergmäusen: während diese ihre Wohnnester meist auf dem Boden anlegen und die erhöhten Kugelnester v.a. von den Weibchen zur Fortpflanzung angelegt werden, schlafen die Klettermäuse normalerweise alle zusammen in den Grasnestern unter dem Terrariendeckel, während die trächtigen Weibchen ihre Wurfnester dann auf dem Boden anlegen. Diese sehen bei geeignetem Nistmaterial ähnlich aus wie die Nester, die zum Beispiel Streifen-Grasmäuse aus zersplissenem Gras oder Heu herstellen.

Oft ist es also ein sicheres Zeichen für anstehenden Nachwuchs, wenn das Weibchen sein Verhalten ändert und statt mit dem Partner zusammen im Nest zu schlafen plötzlich ein eigenes Nest auf dem Boden anlegt. Dann sollte man auf jeden Fall vermeiden, das Terrarium sauberzumachen, um nicht das Nest zu zerstören bzw. zu riskieren, dass schon vorhandene Jungtiere vielleicht nicht mehr von der Mutter angenommen werden, auch wenn sie da weniger heikel zu sein scheinen als viele andere Nager.

In der Regel gibt es keine Probleme, wenn ein Weibchen Junge hat und noch andere adulte Klettermäuse im selben Terrarium leben. Zwar hört man nachts oft ein lautes Zischen, besonders wenn das Weibchen die anderen Mäuse von ihrem Nest fernhalten will, aber normalerweise gibt es außer diesen Lautäußerungen überhaupt keine Aggressionen zwischen den Tieren.

Eines meiner Weibchen war da allerdings eine Ausnahme, es tötete nicht nur ein anderes adultes Weibchen, mit dem es zusammen mit einem Männchen untergebracht war, sondern auch einen kompletten Wurf bereits über einen Monat alter Jungtiere, als der nächste Nachwuchs anstand. Da ich zunächst vermutete, dass das Männchen die anderen getötet hätte, entfernte ich es und ließ das Muttertier mit seinen neugeborenen Jungen alleine im Terrarium, die es wiederum im Alter von einem Monat plötzlich angriff und teils schwer verletzte. Zwar war dies bisher das einzige so aggressive Tier, aber seitdem halte ich normalerweise die Adulten immer nur noch als Paar oder ein Männchen mit zwei Weibchen, und entferne den älteren Nachwuchs zumindest dann, wenn die Jungtiere des nächsten Wurfes anfangen, das Nest zu verlassen. Damit gab es seitdem keinerlei Probleme mehr.

Da Dendromus mystacalis bei uns noch so wenig verbreitet ist und der gesamte Bestand noch aus wenigen Tieren besteht, sollte zumindest am Anfang darauf geachtet werden, die Paare möglichst nicht aus Geschwistern, sondern aus nicht verwandten Tieren zusammenstellen, um eine möglichst breite genetische Basis zu schaffen für die weitere Verbreitung der Art. Zum Glück ist dies sehr unproblematisch bei den Klettermäusen, meist gibt es überhaupt keine Schwierigkeiten, fremde Männchen und Weibchen einfach zusammenzusetzen. Das gilt aber wirklich nur für Paare, fremde Tiere in bestehende Gruppen zu integrieren endet wie bei vielen Nagern vermutlich tödlich!

Text von Stefan Schumacher
Impressum | Design by Alexandre Maia