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STECKBRIEF

Wissenschaftlicher Name: Graphiurus spec.
Deutscher Name:
Afrikanischer Zwergschläfer, Pinselschwanzbilch
Englischer Name: African Pygmy Dormouse
Ordnung: Rodentia
Unterordnung: Sciuromorpha
Familie: Gliridae
Unterfamilie: Graphiurinae
Vorkommen:
Die Gattung ist in fast ganz Afrika südlich der Sahara vertreten, G. murinus hat seinen Verbreitungsschwerpunkt in Südafrika
Größe:
6-9 cm Körperlänge, 5-8 cm Schwanzlänge
Gewicht: 18 bis 30 g
Geschlechtsreife: ab 4 Monaten
Tragzeit: 25-30 Tage
Durchschnittliche Wurfgröße: 4-6 Junge
Sozialverhalten:
Gesellig in Familienverbänden, sehr territorial gegen fremde Tiere
Aktivitätsphasen: Streng nachtaktiv
Besonderheiten: Ruhephase bei Futtermangel und Kälte
Anspruch: Niedrig

ALLGEMEINES

Zu den Graphiurinae gehören 15 von Laien kaum zu unterscheidende Arten. Bei uns werden die Tiere in der Regel als G. murinus angeboten, der mit ca. 8 cm Körperlänge einer der kleinsten Vertreter der Afrikaschläfer ist. Die Gattung ist in ganz Afrika außer dem Norden verbreitet, G. murinus hat seinen Verbreitungsschwerpunkt im südlichen Afrika. Da aber praktisch nie die ursprüngliche Heimat der importierten Tiere bekannt ist und die bei uns gehaltenen Zwergschläfer schon alleine in der Färbung stark variieren, ist anzunehmen, dass noch weitere afrikanische Schläferarten zur Zeit unter dem selben Namen als Heimtiere gepflegt werden. Dies ist beim Austausch von Tieren zu Zuchtzwecken zu beachten. Da die Ansprüche der verschiedenen Arten vermutlich sehr ähnlich sind, ist hier der Einfachheit halber im Folgenden nur noch von „Zwergschläfern“ die Rede.

Rein äußerlich erinnern Afrikanische Zwergschläfer ein wenig an eine Mischung aus Feldmaus und Hörnchen. Bis auf die nahezu weiße Bauchseite und eine dunkle Augenmaske ist ihr Fell durchweg grau gefärbt. Der charakteristische buschige Schwanz, der beim Springen zur Stabilisierung und zeitweise als fünftes Bein eingesetzt wird, hat diesen Tieren auch den Namen Pinselschwanzbilche eingebracht. Die verhältnismäßig großen Ohren und Augen weisen unverkennbar auf nachtaktive Tiere hin. Besonders von den Ohren wird bei der Jagd exzessiv Gebrauch gemacht, da mit ihnen die Beute geortet wird.
In ihrer natürlichen Umgebung halten sich die flinken Kletterer fast ausschließlich in den Baumkronen oder höheren Felsnischen auf und ernähren sich dort vornehmlich von Früchten, Nüssen und Samen sowie Insekten, Vogeleiern, Vögeln und selbst Kleinsäugern.
Bei Futtermangel oder tiefen Temperaturen fallen Zwergschläfer in eine winterschlafähnliche Starre (Torpor). Sie erscheinen dann wie tot und es dauert bis zu einer halben Stunde, bis sie bei Störungen wieder aus diesem Zustand erwachen.

Die streng nachtaktiven Tiere leben in Familiengruppen von bis zu 15 Tieren, die normalerweise alle zusammen in einem Astloch oder einem hohlen Baumstamm den Tag verschlafen. Ab Einbruch der Dunkelheit findet eine rege Kommunikation untereinander in Form von unterschiedlichsten Lautäußerungen von Gurren bis Quietschen statt, was Zwergschläfer als Beobachtungstiere sehr interessant macht. Sie weisen einen enormen Bewegungsdrang auf. Es handelt sich um äußerst geschickte und erstaunlich schnelle Kletterer, die trotz ihrer geringen Größe in ihrer natürlichen Umgebung ein Revier von etlichen Hektar einnehmen. In Gefangenschaft muss dem in Form einer geräumigen Unterkunft mit vielen Klettermöglichkeiten Rechnung getragen werden. Nur so können die Zwergschläfer ihren Bewegungsdrang ausleben und ihr ganzes Geschick beim Klettern zeigen. Aufgrund ihrer Geschwindigkeit und des ausgeprägten Fluchtinstinktes eignen sie sich nicht als Streicheltiere. Das Wiedereinfangen ausgebüchster Zwergschläfer ist ein mitunter nahezu hoffnungsloses Unterfangen, wie ich mittlerweile nicht nur einmal feststellen musste. Ihre mit Drüsen besetzten Pfoten finden an nahezu allem Halt und ermöglichen ihnen beispielsweise, kopfüber an der Terrariendecke zu klettern, was ihnen für den Halter völlig unerwartete Ausbruchsmöglichkeiten eröffnet. Außerdem springen sie zielsicher über Distanzen von bis zu einem Meter, was das Handling zusätzlich verkompliziert. Zwar lassen sich manche Exemplare mit viel Geduld an den Kontakt zum Halter gewöhnen, indem sie schon kurz nach der Geburt regelmäßig auf die Hand genommen werden, jedoch geht die Vertrautheit selten über das Fressen auf der Hand hinaus.

Trotz ihrer geringen Größe produzieren die Tiere verhältnismäßig viel Kot, der sich leider normalerweise nicht in der Einstreu, sondern meistens an der Einrichtung sammelt. Insbesondere die Männchen sorgen außerdem durch Reviermarkierungen innerhalb kürzester Zeit für einen deutlich wahrnehmbaren Eigengeruch im Terrarium, der jedoch im Vergleich zu vielen anderen Kleinsäugerarten wie beispielsweise Farbmäusen eher harmlos ausfällt.

Zwergschläfer stellen sehr interessante und verhältnismäßig anspruchslose Beobachtungstiere dar, die mit ihrer akustischen Variationsfreudigkeit und ihrem ausgeprägten Bewegungsdrang den Betrachter verzaubern.

Text von Tim Skopnik
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