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Zucht

Die Zucht von Zwergschläfern gestaltet sich recht unkompliziert. Ist ausreichend Platz und proteinreiches Futter vorhanden, so stellt sich früher oder später meist automatisch Nachwuchs ein. Auch wenn das Weibchen zwischen den Würfen zeitweise längere Pausen einlegt, können Schwangerschaften in Gefangenschaft durchaus das ganze Jahr über vorkommen.

Dass eine erfolgreiche Kopulation stattgefunden hat, deutet sich bei meinen Tieren oft durch verminderte Aktivität des Weibchens an, das sich dann für 3-4 Tage meist nur kurz zum Fressen zeigt. Um sicher zu gehen habe ich permanent einen kleinen Haufen zerrissenes Toilettenpapier im Terrarium liegen. Ist dieser eines Morgens abgetragen, so ist die Wahrscheinlichkeit für anstehenden Nachwuchs hoch.
Dieser „Trick“ ist durchaus sinnvoll, da sich eine Trächtigkeit rein äußerlich – trotz teils beachtlicher Wurfgrößen von bis zu 8 Jungen und der zierlichen Gestalt des Muttertieres – nicht immer zweifelsfrei feststellen lässt. So kommt es nicht selten vor, dass man von einem Wurf komplett überrascht wird.

Ist das Weibchen in „Stimmung“, so kommt es in den Nachtstunden zu mehreren teils recht ruppigen Annäherungsversuchen. Mit ein wenig Glück kann man dann die zwei Schläfer dabei beobachten, wie sie Hinterteil an Hinterteil - einer am anderen hängend - an einem Ast baumeln oder gar einer den anderen rückwärts durch das Terrarium schleift. Dieses skurrile Schauspiel kann mehrere Minuten dauern.

Die anschließende Tragzeit beläuft sich für gewöhnlich auf ca. 25 bis 30 Tage, woran sich noch ungefähr 6 Wochen Säugen anschließen bis die Kleinen selbständig fressen. Die durchschnittlich 4-6 Jungen kommen nackt und blind auf die Welt.
Wie bei vielen Kleinsäugerarten, sollte man es gerade in den ersten zwei Wochen vermeiden die Familie zu stören, da man sonst riskiert, dass das Weibchen den Nachwuchs entweder umquartiert oder schlimmstenfalls verlässt oder auffrisst. Ab ca. einer Woche beginnt das Fell zu wachsen und mit 14 Tagen öffnen die Kleinen zum ersten Mal die Augen. Frühestens jetzt sollte man wenn notwendig beginnen, den Nachwuchs an die Hand des Halters zu gewöhnen, um späterer Beißneigung vorzubeugen. Trotz ihres harmlosen Aussehens haben Zwergschläfer nämlich sehr scharfe Zähne, mit denen sie recht schmerzhaft zubeißen können!

 

Geschlechterbestimmung

Geschlechtsreif werden Zwergschläfer erst mit ca. 4-5 Monaten. Bis zu diesem Alter gestaltet sich die Geschlechterbestimmung leider als alles andere als einfach. Zwar ist das Geschlecht im direkten Vergleich am Abstand der Geschlechts- zur Afteröffnung festzustellen, der bei Männchen größer ist als bei Weibchen, jedoch versperrt das Fell die Sicht, und die Tiere sind auch nur schwer so festzuhalten, um diese Untersuchung durchzuführen. Zusätzlich zum größeren Genital-After-Abstand ist das Männchen an einem kleinen hervor stehenden „Knopf“ zu identifizieren. Beim „Handling“ des sollte tunlichst darauf verzichtet werden, die Tiere ausschließlich am Schwanz festzuhalten. Die Schwanzhaut reißt leicht komplett ab, so dass ein fellloser Schwanz übrig bleibt, den sich die Tiere dann meist bis auf einen Stummel selbst abnagen.
Die Geschlechterbestimmung meines ersten 3 Monate alten Wurfes hat mich über eine Stunde gekostet und mir diverse Schweißperlen auf die Stirn getrieben. Ab Eintreten der Geschlechtsreife lässt sich das Männchen leicht durch den am Schwanzansatz hervortretenden Hodensack vom Weibchen unterscheiden.

Vergesellschaftung

So leicht die Zucht gelingt, so knifflig kann sich manchmal die Vergesellschaftung gestalten. Problemlos gelingt sie zumeist nur bei nicht geschlechtsreifen Tieren. Zu einem späteren Zeitpunkt kann es zu erbitterten Revierkämpfen kommen, die nicht selten mit dem Tod eines Tieres enden. Generell sollte man auf die Vergesellschaftung von geschlechtsreifen Männchen verzichten. Ansonsten empfiehlt es sich, zuvor das Terrarium von jeglichen Zwergschläfergerüchen zu befreien und allen Tieren somit gleiche Ausgangsbedingungen einzuräumen. Jedes Tier sollte eine eigene Schlafgelegenheit Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt bekommen, um zu besitzen. Die Anwendung von ätherischen Ölen (z.B. Menthol) im Terrarium und ggf. sogar auf den Tieren selbst kann helfen vorübergehend den Eigengeruch der Tiere zu überdecken und so das Risiko von Streitereien in den ersten Tagen zu reduzieren. Gerade in der Vergesellschaftungsperiode ist es nicht unwichtig, den Tieren genügend Futter (besonders tierisches) zur Verfügung zu stellen um kannibalische Tendenzen zu minimieren.

Text von Tim Skopnik
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