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STECKBRIEF

Wissenschaftlicher Name: Thallomys nigricauda
Deutscher Name: Akazienratte
Englischer Name: Acacia Rat
Ordnung: Rodentia
Familie: Muridae
Unterfamilie: Murinae
Vorkommen: Savannen im östlichen bis südlichen Afrika, unsere Tiere kommen aus Tansania
Größe: 10-15cm + 15-20cm Schwanz
Gewicht: 50-100 g
Geschlechtsreife: Mit ca. 9 Wochen
Tragzeit: 24 Tage
Durchschnittliche Wurfgröße: 2 (maximal 4)
Sozialverhalten: Sehr gesellig
Aktivitätsphasen: Dämmerungs- und nachtaktiv
Besonderheiten: -
Anspruch: Einfach, aber hoher Platzbedarf

ALLGEMEINES

Akazienratten sind v. a. in Ostafrika weit verbreitet. Der artenarmen Gattung gehören außer Thallomys nigricauda noch T. paedulcus, T. loringi und T. shortridgei an, deren Unterscheidung rein äußerlich allerdings auch Spezialisten kaum möglich sein wird. Typische Kennzeichen sind die auffällige Gesichtsmaske, die der von Gartenschläfern ähnelt, das graue Rücken- und leuchtend weiße Bauchfell sowie der sehr lange, dunkle Schwanz. Über ihre natürliche Lebensweise ist noch nicht viel bekannt bzw. untersucht worden, da sie einerseits nachtaktiv sind und andererseits auch keine wirtschaftliche Bedeutung haben.

Einen großen Teil ihrer Nahrung machen Blätter verschiedener Akazienarten aus, die ihnen aber nicht als Schlafbäume, sondern als Futterpflanzen dienen. Als Schlafbäume werden andere, höher werdende Arten genutzt. Ihre Nester bauen sie sowohl auf lebenden Bäumen als auch in abgestorbenen Baumstümpfen. In der Natur leben sie in Familiengruppen, Kolonien oder als Paar mit den Nachkommen.

Über Thallomys nigricauda finden sich bei Jork Meyer (2004) interessanterweise folgende abweichende Informationen:
Während der Fortpflanzungszeit bewegen sich Männchen in einem Gebiet von 5-10 ha, das die viel kleineren Gebiete (0,001-0,03 ha) von mehreren Weibchen mit ihrem Nachwuchs einschließt und sich mit denen anderer Männchen überschneidet. Außerhalb der Fortpflanzungszeit nutzen die Männchen 1-2 ha, die Weibchen 0,1-0,3 ha. Die Art ist polygyn, d.h. ein Männchen paart sich mit verschiedenen Weibchen und lebt nicht immer mit einem Weibchen zusammen. Prinzipiell leben die Tiere einzeln, nur der Nachwuchs bleibt noch längere Zeit bei der Mutter.

Die bei uns gehaltenen Tiere stammen aus Tansania und wurden als T. paedulcus importiert, zumindest meine wurden inzwischen aber als T. nigricauda bestimmt. Das Verbreitungsgebiet beider Arten überschneidet sich teilweise, so dass unter Umständen auch beide Arten gleichzeitig ihren Weg zu uns gefunden haben könnten, mir selbst sind bis jetzt aber nur Tiere bekannt, die der Beschreibung von T. nigricauda entsprechen. Die bei uns gehaltenen Akazienratten sind zum Teil sehr unterschiedlich in der Färbung. So existierten schon unter den importierten Tieren solche, die nur eine sehr schwach ausgeprägte Gesichtsmaske zeigten, und auch die inzwischen als Nachzuchten verbreiteten Schecken fanden sich schon unter den Wildfängen, wenn auch sehr selten. Inzwischen sind in verschiedenen Zuchten noch verschiedene weitere Farbvarianten wie stärker gescheckte oder insgesamt sehr helle Tiere aufgetreten. Entweder sind Akazienratten schon von Natur aus sehr variabel, oder es kam vielleicht doch zur Vermischung zweier oder noch mehr Arten. Selbst in der wissenschaftlichen Literatur scheinen viele Berichte z. B. über T. paedulcus eigentlich T. nigricauda zu behandeln und umgekehrt.

Auf jeden Fall handelt es sich bei den gehaltenen Akazienratten um sehr gesellige Tiere, die sich meist problemlos auch in größeren Gruppen halten lassen, selbst wenn mehr Männchen als Weibchen vorhanden sind. Während die ersten Tiere in Gefangenschaft wirklich rein nachtaktiv und sehr scheu waren, lassen sich heute viele bereits am Nachmittag beobachten und es ist durchaus möglich, sie völlig handzahm zu bekommen, so dass sie Nahrung aus der Hand entgegennehmen oder über die Hand auf die Schulter laufen und dort sitzen bleiben. Durch ihre sehr hübsche Färbung, ihr interessantes Verhalten, ihren im Vergleich etwa zu Farbratten sehr viel harmloseren Geruch und ihre leichte Haltbarkeit eignen sie sich ideal als Heimtiere, sofern man dem Anspruch an genug Klettermöglichkeiten gerecht werden kann.

Text von Stefan Schumacher
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