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ZUCHT

Hat man ein harmonisierendes Pärchen, so ist die Vermehrung meist kein Problem. Geschlechtsreif sind Akazienratten mit etwa 2 Monaten, bis zum ersten Wurf vergehen aber meist noch 2 oder 3 weitere Monate. Da sie nur wenige Zitzen besitzen, ist es ihnen nicht möglich, mehr als 4 Jungtiere aufzuziehen. Meist werden nur 2 Junge geboren, so dass man bei dieser Art nicht so schnell ein Platzproblem hat wie bei anderen Nagern, außerdem lassen sich die Nachkommen lange völlig problemlos mit den Eltern im Käfig halten, da sie sehr friedlich untereinander sind, so dass man auch nicht ständig auf der Suche nach Abnehmern sein muss. In größeren Gruppen vermehrt sich noch dazu oft nur das dominante Weibchen, also meist das Muttertier, von dem die anderen Familienmitglieder abstammen. Da die Jungtiere wesentlich länger bis zur Selbstständigkeit brauchen als bei den meisten anderen Mäusen, ist auch der Abstand zwischen den Würfen meist wesentlich größer als die reine Tragzeit.

 

Was Akazienratten auszeichnet, ist, dass sie ihre Jungen nicht im Maul einzeln, sondern als „Zitzentransporter“ ihren ganzen Wurf an den Zitzen hängend mit sich herumtragen. Bei scheuen Tieren sieht man davon oft nicht so viel, aber bei zahmen Weibchen ist es ein Erlebnis, sie mit bis zu 4 Babys herumklettern oder im Futternapf sitzen und fressen zu sehen. Manche kommen sogar mit ihren Babys an die Hand, um sich Leckereien abzuholen.
Sehr angenehm ist, dass es praktisch keine Streitigkeiten zwischen dem säugenden Muttertier und den anderen Tieren der Gruppe gibt. Meist schlafen bei der Mutter mit ihrem Nachwuchs auch noch alle anderen Weibchen und jungen Männchen zusammen im Nest, lediglich die größten Männchen müssen häufig in einem anderen Nistkasten schlafen.

Auch bei zahmen Tieren sollte auf ein Warnsignal geachtet werden: nähert man die Hand einem Nistkasten und hört ein relativ lautes Zähneklappern, so sollte man in diesem Moment besser nicht in das Nest greifen, da man sonst einen Biss des Weibchens riskiert, das nur sein Nest verteidigen will.

Farbvarianten

Da inzwischen mehrere Farb- bzw. Zeichnungsvarianten existieren, ist es sicher interessant, sich auch mit der gezielten Farb- und Zeichnungszucht bei Akazienratten zu beschäftigen. Inzwischen gibt es verschiedene reinerbige Stämme von weiß-gescheckten Tieren. Ein Schecken-Stamm geht auf ein geschecktes Importtier zurück, während die Scheckung eines zweiten Stammes nach mehreren Generationen bei der Zucht normal gefärbter Akazienratten spontan auftrat. Aus den gescheckten Tieren wurden inzwischen nach gezielter Rückkreuzung auch solche Nachkommen erzielt, die eine über den ganzen Rücken reichende komplett weiße Färbung, entsprechend den bei Farbmäusen als „Banded“ bezeichneten Tieren, aufweisen. Außerdem traten mittlerweile goldbraune sowie stark aufgehellte Varianten in bislang wildfarbenen Stämmen auf, die als „Golden“ und „Dilute“ bezeichnet werden sollen.
Außer in Farbe und Zeichnung variieren die Tiere oft auch stark in der Größe. Viele gescheckte Tiere bleiben um einiges kleiner bzw. schlanker als die wildfarbenen Tiere, dies trifft auch für das gescheckte Importmännchen zu. Zwar gibt es auch unter den wildfarbenen Akazienratten je nach Zuchtstamm teils starke Größenunterschiede, doch allgemein scheinen die verschiedenen Farbvarianten eher etwas kleiner zu bleiben als wildfarbene Tiere.

Bei den gescheckten bzw. Banded-Tieren ist die Vererbung einfach, die Scheckung bzw. Bänderung wird gegenüber der Wildfarbe rezessiv in einem wahrscheinlich monogenen Erbgang vererbt. Das heißt für die Zucht praktisch, dass nur für die Scheckung homozygote Tiere untereinander verpaart zu 100% gescheckten Nachwuchs hervorbringen. Die Verpaarung von gescheckten und wildfarbenen, aber für Scheckung heterozygoten Akazienratten erzielt zu 50% gescheckte, zu 50% wildfarbene Nachkommen.

Bei den Dilute-Akazienratten ist dies nicht ganz so einfach: Die Verpaarung der ersten Dilute-Akazienratte mit einem gescheckten Tier ergab zunächst nur wildfarbenen Nachwuchs. Bei der Rückkreuzung der F1-Nachkommen mit dem Dilute-Vater traten in der F2 neben wildfarbenen Tieren sehr wenige Nachkommen auf, die eine nur etwas hellere Fellfarbe zeigten als ihre Geschwister. Wurden diese leicht aufgehellten Tiere jetzt wieder mit dem Dilute-Großvater rückgekreuzt, traten in der F3 schließlich zu einem höheren Anteil Dilute-Nachkommen auf, deren Grundfarbe bereits viel heller war als die der F2-Tiere. Außerdem weist ein Teil der Dilute-Tiere der F3 praktisch überhaupt keine Augenmaske mehr auf, wohingegen das ursprüngliche Dilute-Männchen bei sehr heller Körperfarbe eine doch deutliche, aber hellbraune Augenmaske trägt. Der zunächst sehr geringe Anteil von helleren Nachkommen in der F2 und die zunehmende Aufhellung der späteren Nachkommen können auf einen Erbgang schließen lassen, an dem mehrere Gene beteiligt sind.

Wie das Vorhandensein, Fehlen oder eine abweichende Färbung der Augenmaske vererbt wird ist ebenfalls noch unklar. Nicht nur unter den Dilute-Tieren, sondern auch bei Schecken oder sogar ansonsten komplett wildfarbenen Tieren gibt es solche, die hinsichtlich Augenmaske und teils auch der Kopffärbung insgesamt stark von den wildfarbenen Importtieren abweichen.

Wildfarbe (adult)
Schwache Scheckung (adult)

Starke Scheckung (adult)
Schmale Bande (Jungtier)

Breite Bande "Banded" (adult)
Gold (adult)

Stark aufgehellt "Dilute" (adult)

Text von Stefan Schumacher
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