Unbenanntes Dokument

STECKBRIEF

Wissenschaftlicher Name: Gerbillus nanus
Deutscher Name: Baluchistan-Rennmaus, Zwergrennmaus
Englischer Name: Baluchistan gerbil
Ordnung: Rodentia
Familie: Muridae
Unterfamilie: Gerbillinae
Vorkommen: Nord-West-Indien, Pakistan, Südliches Afghanistan, Iran, Arabische Halbinsel, Irak, Jordanien, Palästina, Nordafrika bis Marokko
Größe: 6-7 cm Körper + 10-11 cm Schwanz
Gewicht: 30 g
Geschlechtsreife: Mit mehreren Monaten, Fortpflanzung meist erst mit über 6 Monaten
Tragzeit: -
Durchschnittliche Wurfgröße: 3-5 Junge
Sozialverhalten: Gesellig
Aktivitätsphasen: Dämmerungs- und nachtaktiv
Besonderheiten: -
Anspruch: Einfach

ALLGEMEINES

Baluchistan-Rennmäuse gehören zu den Zwergen unter den Rennmäusen. Mit ihren nur 8 cm Körperlänge werden sie etwa nur halb so groß wie Mongolische Rennmäuse, was aber keinesfalls bedeutet, dass sie auf Grund ihrer geringen Größe weniger Platz benötigen würden. Im Gegenteil! Die kleinen Mäuse sind sehr agil und aktiv und brauchen dementsprechend sehr viel Platz, gerne auch in die Höhe, da sie ausgezeichnete Kletterer sind und Höhen gut abschätzen können.

Einige Individuen dieser Art können sehr zahm werden, klettern liebend gerne auf ihrem Menschen herum und erkunden Neues, wobei Ärmel besonders beliebt sind. Nicht alle Baluchistan-Rennmäuse werden so zahm, trotzdem sind es auf jedem Fall sehr spannende Beobachtungstiere, die sehr viel Energie besitzen und dem Beobachtern viel Freude bereiten können.
Wach werden sie am frühen Abend und sind dann die ganze Nacht durch aktiv. Wenn etwas Spannendes im Zimmer geschieht, treibt ihre Neugier sie aber auch schon mal am Tage ans Licht.

Die vielen Arten der Gattung Gerbillus sind teilweise nur sehr schwer und als lebende Tiere oft gar nicht sicher voneinander zu unterscheiden. In Deutschland wird neben Gerbillus nanus noch mindestens eine zweite Art gehalten, die auch schon unter diesem Namen angeboten wurde, vom Sozialverhalten und der Reproduktion her aber teils deutlich von den eigentlichen G. nanus abweicht. Fast nur im direkten Vergleich mit G. nanus lassen sich leichte Unterschiede im Aussehen feststellen, wie eine spitzere Schnauze und eine wesentlich längere, aber weniger stark schwarz abgesetzte Schwanzquaste. Diese Rennmäuse (womöglich handelt es sich dabei um G. amoenus, die Giza-Zwergrennmaus) scheinen untereinander sehr viel aggressiver als unsere Baluchistan-Rennmäuse zu sein, bisherige Erfahrungen sprechen am ehesten für eine Paarhaltung, bei Gruppenhaltung kommt es regelmäßig zu sehr heftigen, teils tödlichen Auseinandersetzungen. Die Erfahrungen, die wir mit unseren Baluchistan-Rennmäusen machen konnten, zeigen, dass sie gut in größeren Gruppen auch mit mehreren Männchen gehalten werden können, und auch die Vergesellschaftung adulter Tiere war bislang bis auf eine Ausnahme mit einem ungewöhnlich aggressiven Weibchen problemlos.
Interessanterweise berichten viele Engländer genau Umgekehrtes. Danach sollen G. amoenus sehr verträglich in Gruppen sein, wohingegen sich G. nanus fast unmöglich in Gruppen von mehr als zwei Tieren halten lassen. Möglicherweise gehen die in Großbritannien und in Deutschland gehaltenen Tiere dieser beiden Arten auf unterschiedliche Stämme zurück, was die stark von einander abweichenden Verhaltensweisen erklären könnte.

Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass es in Deutschland schon Hybriden beider Spezies gibt oder dass sich nicht noch andere Arten oder Unterarten in Menschenobhut befinden, die fälschlicherweise für Baluchistan-Rennmäuse gehalten werden. Außer G. nanus und den vermutlichen G. amoenus werden zurzeit bei uns mit G. dasyurus und G. campestris noch mindestens zwei weitere wohl korrekt bestimmte Arten gehalten, die oft zusammen mit diesen in die Untergattung Handecapleura gestellt werden. Und auch bei diesen mit G. nanus und G. amoenus also sehr nahe verwandten Arten gibt es teils erheblich voneinander abweichende Darstellung, die von friedlichen Großgruppen bei anderen Haltern bis zu eigenen Erfahrungen mit noch nicht mal als Paare dauerhaft haltbaren G. campestris reichen.

Auf jeden Fall sollte sich der zukünftige Halter ausführlich beim Züchter darüber informieren, wie sich die Tiere bei ihm verhalten und ob sie auch in Gruppen verträglich sind. Dies bringt im Zweifelsfall viel mehr als ein scheinbar sicherer Artname, wenn sich die Tiere hinterher völlig anders verhalten als erwartet.

Text von Schumacher, Yousef
Impressum | Design by Alexandre Maia