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STECKBRIEF

Wissenschaftlicher Name: Sigmodon hispidus
Deutscher Name: Baumwollratte
Englischer Name: Hispid Cotton Rat
Ordnung: Rodentia
Familie: Cricetidae
Unterfamilie: Sigmodontinae
Vorkommen: Südliche USA bis nördliches Südamerika
Größe: 15-20cm + 10-13cm Schwanz
Gewicht: Männchen bis 300 g, Weibchen 200 g
Geschlechtsreife: Mit 6 Wochen
Tragzeit: 27 Tage
Durchschnittliche Wurfgröße: 5-10
Sozialverhalten: Paarweise, Gruppenhaltung kaum möglich
Aktivitätsphasen: Den ganzen Tag über
Besonderheiten: -
Anspruch: Einfach, geringer Platzbedarf

ALLGEMEINES

Weit verbreitet in der neuen Welt sind die 10 Arten der Gattung Sigmodon. Obwohl sie auf den ersten Blick sehr großen Wühlmäusen ähneln, sind jedoch nicht näher mit diesen verwandt. Ein besonderes Merkmal der Baumwollratten ist der Entwicklungszustand der Jungtiere bei der Geburt: Sie gehören zusammen mit den Stachelmäusen zu den Arten unter den Mäuseartigen mit den am weitesten entwickelten Jungtieren, weshalb auch die Tragzeit etwa eine Woche länger als bei Hausmäusen ist. Die Jungen kommen schon mit einem dunklen Fell auf die Welt, und beginnen manchmal bereits 2 Tage nach der Geburt, sich aus dem Nest zu bewegen. Auch wenn sie üblicherweise länger gesäugt werden, so reicht doch theoretisch eine Säugezeit von nur 5-7 Tagen bis zur Entwöhnung!

Baumwollratten leben als Bodenbewohner bevorzugt in Gebieten mit dichtem Bestand aus hohen Gräsern und legen entweder auf dem Boden ihre Nester aus Gras oder anderem Pflanzenmaterial an oder nutzen unterirdische Baue anderer Tierarten. Sie ernähren sich fast ausschließlich von Pflanzenmaterial, auch wenn sie gelegentlich Insekten aufnehmen sollten. Sie haben eine wirtschaftliche Bedeutung als Schädlinge an Nutzpflanzen. Gelegentlich kommt es zu Massenvermehrungen, woraufhin dann bei Nahrungsmangel auch ganze Baumwollfelder kahl gefressen werden, weswegen die Gattung ihren Trivialnamen bekommen hat. Darüber hinaus sind sie ebenso wie viele Angehörige der Weißfußmäuse Überträger verschiedener für den Menschen gefährlicher Krankheitserreger wie Hantaviren, die Krankheitsbilder wie das Hämorrhagische Fieber mit Renalem Syndrom (HFRS) oder das Hantavirus-Lungensyndrom verursachen, welche in kürzester Zeit nach inneren Blutungen und Organversagen zum Tode führen können.

Die bei uns gehaltenen Baumwollratten entstammen alle jahrzehntelangen Labortierzuchten, so dass keine Gefahr einer Krankheitsübertragung gegeben ist. Bei Wildfängen wäre jedoch Vorsicht angebracht! Als Labortiere haben sie eine große Bedeutung erlangt in der Erforschung verschiedener Viren, auch des Influenza-Virus, sowie von Filarienerkrankungen (Filarien sind Fadenwürmer, zu denen auch die Arten gehören, die in Afrika an Menschen Flussblindheit und Elefantiasis verursachen).

Alle Baumwollratten in Deutschland werden unter dem Namen Sigmodon hispidus gehalten, wobei nach Jahrzehnten jetzt sicher nicht mehr nachzuvollziehen ist, woher die ersten Tiere tatsächlich stammten und wer diese bestimmt hat. Inzwischen bin ich auf Laborstämme gestoßen, die so unterschiedlich aussehen und sich so verschiedenen verhalten, dass ich auf den ersten Blick sicher war, dass es sich um verschiedene Arten handeln müsste. Jedoch ergab die Untersuchung der Skelette beider Arten, dass es einwandfrei Angehörige derselben Art sind, auch wenn es nicht unbedingt S. hispidus sein muss.

Der eine Stamm hat graues, etwas wuscheliges Fell, der Schwanz ist verhältnismäßig kürzer, die Schnauze abgerundeter, und die Tiere werden insgesamt größer und schwerer. Dieser Stamm wird in kürzester Zeit zahm, es gibt Tiere darunter, die ihrem Pfleger auf die Hand und den Arm hoch laufen, und sie lassen sich problemlos aufnehmen, um sie in andere Käfige zu setzen. Oft sitzen sie den ganzen Tag über gut sichtbar auf ihrem Schlafhäuschen, um die Umgebung zu beobachten.

Die braun gefärbten Tiere des anderen Stammes, der schon länger auch in Privathand gehalten wird und weiter verbreitet ist, lassen sich leider nicht zähmen. Sie bleiben immer schreckhaft und scheu, springen in Panik ziellos im Behälter umher und lassen sich einigermaßen sicher fast nur mit Handschuhen anfassen, da sie sich in ihrem Schreck sonst schnell in der Hand verbeißen. Dieses Verhalten ändert sich leider (und interessanterweise) auch dann nicht, wenn man ganz junge Tiere beider Stämme zusammen aufzieht. Das unterschiedliche Verhalten scheint also genetisch und nicht durch den Umgang der Halter mit den Tieren bedingt zu sein.

Baumwollratten beider Stämme sind sehr genügsame und interessante Haustiere, wobei der graue Stamm sich auch für diejenigen eignet, die ein Tier zum Anfassen wollen, während der braune Stamm vor allem als reines Terrarientier zum Beobachten geeignet ist.

Text von Stefan Schumacher
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