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STECKBRIEF

Wissenschaftlicher Name: Lasiopodomys brandtii
Deutscher Name: Brandts Steppenwühlmaus
Englischer Name: Brandt`s vole
Ordnung: Rodentia
Familie: Cricetidae
Unterfamilie: Arvicolinae
Vorkommen: Mongolei, Sibirien, Nordost-China
Größe: 10-15cm + 2-3cm Schwanz
Gewicht: 50 g
Geschlechtsreife: -
Tragzeit: 23-24 Tage
Durchschnittliche Wurfgröße: 5-6 Junge
Sozialverhalten: Weibchengruppen aus Mutter + Jungtieren, geschlechtsreife Männchen schließen sich nur im Winter einer Gruppe an
Aktivitätsphasen: Tagaktiv
Besonderheiten:
In der Natur zum Teil Massenvorkommen, werden dann zu Krankheitsüberträgern und Schädlingen in der Landwirtschaft
Anspruch: Einfach

ALLGEMEINES

Früher eine Untergattung von Microtus, zu denen auch verschiedene einheimische Wühlmäuse wie die Feldmaus (M. arvalis) gehören, wird Lasiopodomys heute als eine eigene Gattung aus drei Arten angesehen. Als Heimtier wird nur Brandts Steppenwühlmaus (L. brandtii) aus der Mongolei, angrenzenden Gebieten Sibiriens und dem Nordosten Chinas gepflegt. Das Fell ist oberseits sandgrau bis gelblichbraun, auf der Bauchseite schmutzig-weiß. Es ist relativ lang und äußerst dicht. In Menschenobhut gehört Brandts Steppenwühlmaus zu den selteneren Pfleglingen. Dies ist umso bedauerlicher, als die Wühlmäuse über eine angenehmes Wesen und ein umfangreiches und interessantes Verhaltensrepertoire verfügen

Sie zeigen ähnliche Massenvermehrungen, wie sie von Lemmingen bekannt sind. Allerdings sind die Zeitspannen zwischen den rasanten Vermehrungen bei den Steppenwühlmäusen deutlich länger. Bis zu 12 Jahren dauert ein solcher Zyklus. Anders als bei Lemmingen kommt es bei Steppenwühlmäusen nicht zu Wanderungen, da bei sprunghafter Vermehrung auch die Zahl der Fressfeinde stark zunimmt. Hochlandbussarde, Steppenadler und Steppenfüchse sind somit die Nutznießer des Kindersegens der Wühlmäuse.

Es sind Charaktertiere der mongolischen Steppe. Dort leben sie in größeren matrifokalen Gruppen, d. h. die Gruppen bestehen aus einem bis mehreren Weibchen und deren Jungtieren. Insbesondere im Herbst und Winter bilden die Tiere Schlafgemeinschaften aus bis zu 20 Tieren. Fortpflanzungsfähige Männchen schließen sich nur im Winter den Gruppen an, ansonsten sind sie eher Einzelgänger, die in ihrem großen Revier mehrere Weibchengruppen haben. Der Aktionsradius der Männchen ist ca. 2,5 km² groß und umfasst bis zu 10 Weibchengebiete. Weibchen sind im Allgemeinen platztreu und verlassen ihr Revier mit der Größe von ca. 1,5 km² nur selten. Allerdings wandern trächtige Weibchen ab und zu ab und gründen neue Gruppen. Eine Besonderheit der Wühlmäuse ist es, dass fortpflanzungsfähige Steppenwühlmausmännchen durch ihre Anwesenheit in der Gruppe verhindern, dass die männlichen Jungtiere geschlechtsreif werden. Dies unterbindet eine unkontrollierte Vermehrung unter Müttern und Söhnen.

Brandts Steppenwühlmäuse leben in Steppen und auf Wiesen, auch in Gewässernähe, und legen sehr umfangreiche Baue an. Die Sommerbauten der Steppenwühlmäuse sind ca. 0,25 bis 0,5 m tief und sehr verzweigt. Sie besitzen mehrere Kammern und bis zu 15 Ausgängen. Die Winterbauten werden in 0,5 m Tiefe angelegt und besitzen nur wenige Ausgänge, die zeitweise komplett verschlossen werden. Im Winter leben die Wühlmäuse teils ausschließlich unter der Erde und ernähren sich dann von den im Herbst gesammelten Vorräten. In den unterirdischen Vorratskammern lagern sie bis zu mehrere Kilogramm Futter ein, das hauptsächlich aus Gras und anderem Grünzeug sowie Wurzeln besteht.

Auffällig ist die Kommunikation der Wühlmäuse mittels Pfeiflauten. Oft kann man die Tiere bereits hören, bevor man sie erstmals sehen kann. Auch das "Männchenmachen" vergleichbar dem Verhalten von Präriehunden und Zieseln ist typisch für Brandts Steppenwühlmaus.

Bei der Haltung von Brandts Steppenwühlmaus sollte deren Bedürfnis nach sozialen Kontakten berücksichtigt werden. Die geselligen Tiere sollten deshalb nur mindestens paarweise oder in Gruppen von 4 bis 10 Tieren gehalten werden. Um die natürliche Gruppenstruktur zu imitieren sollte sich lediglich ein geschlechtsreifes Männchen in der Gruppe befinden.

Text von Ralf Sistermann
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