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STECKBRIEF

Wissenschaftlicher Name:
Phodopus sungorus
Deutscher Name:
Dsungarischer Zwerghamster
Englischer Name:
Sibirian hamster, Sibirian dwarf hamster
Ordnung:
Rodentia
Familie:
Muridae
Unterfamilie:
Cricetinae
Vorkommen:
Ost-Kasachstan, Südwest-Sibirien
Größe:
7-10,5 cm + 0,6-1,8 cm Schwanz
Gewicht:
25-45 g
Geschlechtsreife:
mit 1-2 Monaten
Tragzeit:
13-22 (durchschnittlich 18) Tage
Durchschnittliche Wurfgröße:
4-6 Junge
Sozialverhalten:
Nur zeitweise solitär, Paar- oder Gruppenhaltung meist möglich
Aktivitätsphasen:
Nachtaktiv
Besonderheiten:
Bekommt im Winter ein weißes Fell
Anspruch:
Einfach

ALLGEMEINES

Ursprünglich als Labortier gehalten, trat der Syrische Goldhamster (Mesocricetus auratus) bereits ab 1950 seinen Siegeszug als Haustier in deutschen Wohnungen an. Die Zwerghamster der Gattungen Phodopus (Kurzschwänzige Zwerghamster) und Cricetulus (Langschwänzige Zwerghamster) hingegen führten lange Zeit ein Schattendasein als Haustiere. Allein der Dsungarische Zwerghamster (P. sungorus) ist im Zoofachhandel inzwischen regelmäßig anzutreffen. Der Campbell-Zwerghamster (P. campbelli) wird oft mit dem Dsungarischen Zwerghamster verwechselt und fälschlicherweise als solcher zum Kauf angeboten. Chinesischer Streifenhamster (C. griseus) und Roborowski-Zwerghamster (P. roborovskii) sind seltener im Handel erhältlich und gehören entsprechend auch noch zu den Seltenheiten in der Heimtierhaltung. Darüber hinaus existieren noch einige weitere Arten und Gattungen von „Zwerghamstern“, die jedoch in der Heimtierhaltung praktisch keine Rolle spielen. Lediglich der auch als Mausartiger Zwerghamster bezeichnete Turkmenische Maushamster (Callomyscus mystax) wird inzwischen von einigen Spezialisten gepflegt, er wird heute aber auch nicht mehr den Hamstern (Cricetinae), sondern einer eigenen, unabhängigen Unterfamilie, den Callomyscinae, zugerechnet.

Entgegen ihrer im Vergleich zum Syrischen Goldhamster geringen Verbreitung als Heimtiere weisen Zwerghamster diesem gegenüber doch einige positive Eigenschaften auf. So sind sie weniger aggressiv als Goldhamster, können meist paarweise gehalten werden und sind eher auch einmal am Tag aktiv. Da die verschiedenen Zwerghamster aber alles andere als anspruchslose Heimtiere sind, zumindest die Phodopus-Arten jedoch untereinander recht ähnliche Ansprüche und eine ähnliche Biologie aufweisen, handeln die folgenden Seiten die Arten dieser Gattung gemeinsam ab.

Die Phodopus-Arten

Dsungarische Zwerghamster bewohnen die nördlichen, mittleren und östlichen Steppen Asiens. In seiner Heimat fällt der Dsungarische Zwerghamster in einen langen Winterschlaf. Vorher legt er tiefe Vorratskammer und Schlafnester an. Im Norden seines Verbreitungsgebiets färbt sich er während des Winters ganz oder teilweise in weiß um. Typisch für diesen Zwerghamster ist die so genannte Dreibogenlinie, die den weißen Unterbauch vom grauen, mit einem schwarzen Aalstrich versehenen Rücken trennt. Er ist hauptsächlich nachtaktiv und durchstreift dann meist alleine sein Revier. Zum Schlafen schließen sie sich jedoch häufig zu größeren Schlafgemeinschaften zusammen.

Der Campbell-Zwerghamster wurde lange Zeit als Unterart des Dsungarischen Zwerghamsters angesehen, gilt aber inzwischen als eigenständige Art, wobei der endgültige Status noch nicht sicher geklärt ist. Leider wird er im Zoohandel oftmals mit dem Dsungarischen Zwerghamster verwechselt und als solcher angeboten. Vom diesem unterscheidet er sich durch sein eher bräunliches statt gräuliches Fell und den braunen statt schwarzen Aalstrich. Außerdem färbt der Campbell-Zwerghamster im Winter nicht um. Dies trifft natürlich nur auf wildfarbene Hamster zu, bei den verschiedenen Mutationen fehlen diese Unterscheidungsmerkmale. Campbell-Zwerghamster sehen aber immer etwas strubbeliger aus. Sie sind die Zwerghamsterart, von der die meisten Farbmutationen bekannt sind. Dsungarische und Campbell-Zwerghamster lassen sich miteinander kreuzen. In der Literatur ist dann oft von Unfruchtbarkeit der F1-Nachkommen die Rede, tatsächlich gibt es aber zahlreiche fruchtbare Nachkommen. Insbesondere im Bereich der Farbzucht kommt es immer wieder zur Kreuzung beider Arten, so dass besonders von Campbell-Zwerghamstern kaum noch artenreine Tiere vorhanden sind. Die Biologie des Campbell-Zwerghamsters entspricht im Wesentlichen der des Dsungarischen Zwerghamsters, jedoch bildet diese Art feste Paare aus. Lediglich das Verbreitungsgebiet liegt weiter nördlich.

Der Roborowski-Zwerghamster ist mit teilweise gerade einmal 4 cm Körperlänge der kleinste bekannte Hamster. Er kommt sowohl in China als auch in der Mongolei und sogar in Teilen Russlands vor. Er ist erst seit 1903 bekannt, als ihn der russische Forscher Satunin damals aus einer Sanddüne ausgrub. Für das Leben in den innerasiatischen Sanddünen ist der Roborowski-Zwerghamster perfekt ausgestattet. Mit den fein behaarten Sohlen seiner Füße ist ihm sein einzigartiges Gleiten über den Sand möglich und es erlaubt ihm auch, rutschsicher über glatte Steine zu klettern. Außerdem bietet sein Fell mit der im Sommer sandfarbenen Tönung (im Winter ist sie eher gräulich) und dem fehlenden Aalstrich an der Oberseite einen hervorragenden Schutz vor Entdeckung. Daher ist dieser kleine Akrobat sowohl tag-, als auch nachtaktiv. An der Unterseite hat der Roborowski-Zwerghamster ein rein weißes Fell. Außerdem typisch für diese Zwerge sind die weißen Flecken oberhalb der Augen.

Gemeinschaftshaltung ja oder nein?

Grundsätzliche Überlegungen zum Sozialverhalten und zur Paar- bzw. Gruppenhaltung von Kurzschwänzigen Zwerghamstern finden sich hier. Natürlich gibt es auch bei vielen geselligen Tierarten keine Garantie, dass jede willkürlich vom Menschen zusammengestellte Gruppe bzw. jedes Paar sich auch tatsächlich versteht, vielmehr müssen unter Umständen mehrere Zusammenstellungen mit verschiedenen Partnern ausprobiert werden. Generell sollten deshalb folgende Punkte beachtet werden, um das Risiko eines Auftretens von Schwierigkeiten bei Gruppenhaltung gering zu halten:

  • Die Gruppe sollte aus Jungtieren zusammengestellt werden. Wenn möglich, sollte es sich um Nestgeschwister handeln.
  • Der Käfig für eine Gruppe sollte deutlich größer als der eines Einzeltiers und gut strukturiert sein, um den Tieren Rückzugsmöglichkeiten zu gewähren. Dementsprechend muss sich auch die Anzahl der Schlafhäuser nach der Anzahl der Bewohner richten und jedem Tier eigene Schlafmöglichkeiten bieten.
  • Es sollten zusätzliche Käfige vorhanden sein, um evtl. unterlegene Tiere aus der Gruppe nehmen zu können.
  • Gruppenhaltung erfordert genaue Beobachtung, damit evtl. auftretende Aggressionen frühzeitig erkannt werden.
  • Kranke Tiere müssen sofort aus der Gruppe entfernt werden, da sonst die ganze Gruppe erkranken kann.
  • Ein Zurücksetzen vorher entfernter Tiere in die Gruppe ist meist nicht möglich, da diese Tiere nicht mehr von der Gruppe akzeptiert werden.
  • Es müssen mehrere Futterstellen angeboten werden, damit auch rangniedere Tiere ausreichend Nahrung erhalten.

Ein wichtiger Punkt fr die Haltung in Gruppen ist auch die Herkunft der Tiere. Es gibt mittlerweile einige sehr friedliche Stmme, die in Gruppen gehalten und gezchtet werden knnen. So konnte ich bei einem namhaften Zchter sowohl Dsungarische als auch Campbell-Zwerghamster in gemischtgeschlechtlichen Gruppen von bis zu 15 Tieren sehen, die erfolgreich nachzogen. Keines dieser Tiere wies Bissverletzungen auf. Bei den im Zoofachhandel angebotenen Tieren handelt es sich jedoch in den meisten Fllen um Tiere, die entweder aus Massenzuchten oder aus ungewollter Vermehrung stammen. Da sie nicht auf Gruppenvertrglichkeit hin gezchtet wurden, gelten fr sie die o. g. Regeln. Wildformen, wie eine erst krzlich als Heimtiere eingefhrte Unterart des Roborowski-Zwerghamsters (P. r. przewalskii), scheinen vertrglicher zu sein als viele Tiere aus langjhrigen, wenig systematischen Zuchten.

Paarhaltung ist bei den meisten Zwerghamsterarten gut mglich - man muss dann natrlich auch Nachwuchs einkalkulieren. Bei der Paarhaltung stellen sich hnliche Fragen wie bei der Gruppenhaltung. Wenn man keinen Nachwuchs haben mchte, sollte man stets zwei gleichgeschlechtliche Tiere halten. Dies ist sowohl mit Mnnchen, als auch mit Weibchen mglich. Allerdings kann es auch hier zu Problemen kommen. Es darf nicht vergessen werden, dass diese Konstellation in der Natur nicht vorkommt. Bei der Paarhaltung gelten dieselben Regeln, die auch bei der Gruppenhaltung zu beachten sind.

Da es sich bei verschiedenen Zwerghamsterarten zumindest zeitweilig um Einzelgnger handelt, ist Einzelhaltung wohl nicht in dem Sinne als Tierqulerei anzusehen, wie sie es bei sozialeren, stets im Familienverband lebenden Arten wie verschiedenen Rennmusen wre, doch sollte sie nicht die bevorzugte Haltungsform sein. Im Gegensatz zu Syrischen Goldhamstern haben Kurzschwnzige Zwerghamster jedenfalls auch in der Natur hufigeren Kontakt zu Artgenossen, Campbell-Zwerghamstern schlieen sich sogar lebenslang zu festen Paaren zusammen, so dass eine Einzelhaltung sicher einen deutlichen Eingriff in das natürliche Sozialverhalten darstellt.

 

Text von Ralf Sistermann
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