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Zucht / Fortpflanzung

Die Fortpflanzungsperiode der Feldmäuse endet im September. Bei reichhaltigem Nahrungsangebot, wie es auf Winteräckern zu finden ist, pflanzen sich die Mäuse auch das ganze Jahr über fort. Die Männchen wandern auf der Suche nach brünstigen Weibchen innerhalb ihres Aktionsraumes umher, den sie nur selten verlassen. Bei Begegnungen mit anderen Männchen kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen, weshalb fast alle wildlebenden Feldmausmännchen Kampfverletzungen aufweisen. Auf diese Weise kommt es bei Überpopulation zu starken Männchendezimierungen. Die Anzahl der adulten Weibchen übersteigt dann bei weitem die der Männchen. Brünstige Weibchen dulden die Anwesenheit von Männchen. Durch den Duft eines empfängnisbereiten Weibchens werden die Männchen angelockt. Nach ritualisierten Scheinkämpfen und -fluchten kommt es zur Kopulation, teilweise dutzende Male über einige Stunden verteilt. Nach der Begattung bleibt das Weibchen häufig friedlich dem Männchen gegenüber, dagegen werden fremde Männchen aggressiv attackiert.

Nach etwa 19-21 Tagen bringt ein Feldmausweibchen durchschnittlich 6-7 nackte und blinde Junge pro Wurf zur Welt. Nach der Geburt müssen die Jungen durch Lebenszeichen wie zum Beispiel Fiepen die Fresshemmung des Weibchens aufzuheben. Tot geborene Jungtiere werden meist schnell gefressen.

Die Jungtiere werden etwa drei Wochen lang gesäugt. Nach dem 7. Tag öffnen sich die Augen und ab dem 12. Tag wird neben Muttermilch auch feste Nahrung zu sich genommen. Bei weiblichen Feldmäusen kommt es zu einem erstaunlichen Phänomen, das bei anderen Säugetieren bisher nicht festgestellt werden konnte: bereits ab dem 13. Lebenstag sind sie geschlechtsreif und werden dann auch häufig gleich von älteren Männchen begattet, obwohl sie zu dem Zeitpunkt erst ein Gewicht von 7-9 g erreicht haben. Diese sog. Säuglingsträchtigkeit ist ein Grund für die rasante Vermehrung der Feldmäuse, die in Freiland durchschnittlich nur 4½ Monate alt werden und dadurch in ihrer kurzen Lebensspanne sehr viele Nachkommen zur Welt bringen können.

Feldmäuse haben einen starken Eintrageinstinkt. Alarmiert werden die Mütter durch einen hochfrequenten Notschrei der Jungtiere, aber auch bei Ausbleiben des Schreis werden die Jungen bei Auffinden sofort ins Nest zurück getragen. Dieser Instinkt beschränkt sich nicht nur auf die eigenen Jungtiere, sondern es werden auch fremde, sogar artfremde Jungtiere wieder ins Nest getragen und gesäugt. Teilweise „stehlen“ sich die Weibchen ihre Jungen gegenseitig. Individuell verschieden reagieren auch Männchen auf Jungtiere mit Eintragen ins Nest. Sie werden häufig vor den Eingang der Weibchenhöhle gelegt, wo sie dann das Weibchen in Empfang nimmt. Werden die Jungen in das Nest des Männchens getragen, schlägt das fürsorgliche Verhalten oft um und das Männchen frisst die Jungtiere, da sie innerhalb seines Nests als Eindringlinge angesehen werden. Normalerweise haben Junge, so lange sie noch ihre Säuglingsmerkmale tragen, einen Beißschutz vor adulten Tieren. Nach 20 Tagen, wenn die Ernährung vollständig auf die Aufnahme fester Nahrung umgestellt ist, werden nicht die Jungen vertrieben, sondern die Mutter verlässt das Nest und baut sich für den bereits anstehenden neuen Nachwuchs eine neue Wurfhöhle auf, denn nach der Geburt werden die Weibchen in der Regel sofort erneut gedeckt. Nach einiger Zeit nehmen die Streitigkeiten unter den Jungen zu, so dass sich die Nestgemeinschaft (unter der Voraussetzung, dass genügend freie Territorien vorhanden sind) auflöst und sich jeder ein eigenes Gebiet sucht.

Text von Sara Yousef
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