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STECKBRIEF

Wissenschaftlicher Name:
Jaculus orientalis
Deutscher Name:
Große Wüstenspringmaus
Englischer Name:
Greater Egyptian Jerboa
Ordnung:
Rodentia (Nagetiere)
Familie:
Dipodidae (Springmäuse)
Unterfamilie:
Dipodinae (Wüstenspringmäuse)
Vorkommen:
Marokko bis Süd-Israel
Größe:
16 cm + 25 cm Schwanz
Gewicht:
130-140 g
Durchschnittsalter:
-
Geschlechtsreife:
Mit 8-12 Monaten
Tragzeit:
25 Tage
Durchschnittliche Wurfgröße:
3-4 Junge
Sozialverhalten:
Gesellig
Aktivitätsphasen:
Nachtaktiv
Besonderheiten:
-
Anspruch:
Hoher Platzbedarf

ALLGEMEINES

Wüstenspringmäuse der Gattung Jaculus gehören zu den Raritäten in Menschenobhut. Nur die Große Wüstenspringmaus Jaculus orientalis und die Kleine Wüstenspringmaus J. jaculus werden ab und zu vom Zoofachhandel angeboten. Dabei handelt es sich aber meist um Importtiere, da die Zucht, insbesondere bei J. orientalis, noch zu den großen Ausnahmen zählt. Wüstenspringmäuse fallen sofort durch ihr känguruartiges Aussehen auf. Die Funktion der Schwanzquaste ist bisher umstritten. Einige Biologen meinen, sie diene der Simulation von Schlangen und solle Fressfeinde aus den Wohnhöhlen fernhalten.

Ihren Trivialnamen verdanken die Wüstenspringmäuse ihrem enormen Springvermögen. Sie sind in der Lage, aus dem Stand bis zu einem Meter hoch und 2-3 Meter weit zu springen. Da sie insgesamt wie die Miniaturausgabe eines australischen Kängurus aussehen, werden sie oftmals auch als Kängurumäuse bezeichnet, was insofern irreführend ist, da sie anders als Kängurus keine Beuteltiere sind und auch innerhalb der Nagetiere mit den neuweltlichen Kängurumäusen und –ratten (Heteromyinae und Dipodomyinae) nicht näher verwandt sind.

Bei richtiger Pflege sind sie liebenwerte Pfleglinge, die ein interessantes Verhaltensrepertoire aufweisen und dem Halter interessante Einblicke in ihre Lebensweise gewähren. Sie sind deshalb das ideale Haustier für Menschen, die sich an der Beobachtung von Lebewesen erfreuen. Als zahme Streicheltiere sind sie hingegen nicht geeignet, wer dies möchte, sollte die Finger von Jaculus lassen.

Mit dem Erwerb von Wüstenspringmäusen übernimmt der Halter die Verantwortung für ein echtes "Wildtier“, dies sollte bei Unterbringung und Pflege stets beachtet werden. Oberstes Ziel sollte es sein, erfolgreich nachziehende Paare bzw. Gruppen aufzubauen, um von Importen unabhängig zu werden. Zwar sind Wüstenspringmäuse noch nicht vom Aussterben bedroht, dies kann sich aber zukünftig wie bei vielen Arten schnell ändern.

Jaculus leben in einer Vielzahl von Habitaten. Neben Sand- und Salzwüsten bevölkern sie auch Halbwüsten, Savannen und die Ausläufer von Gebirgen. Jaculus orientalis lebt in kleineren Gruppen, vermutlich Familienverbänden. Bis zu 50 Tiere konnten im Freiland auf einer Strecke von nur 800 Metern gesammelt werden. Erstaunlicherweise berichten die meisten Halter, dass es in Menschenobhut gerade bei den in der Natur geselligen J. orientalis zu heftigen Kämpfen zwischen den Männchen kommen kann.
Ihre Bauten, die bis zu 2 Meter Tiefe erreichen können, legen sie in harten Böden an. Während der heißen Sommermonate verschließen die Springmäuse ihre Bauten tagsüber mit Sand und Pflanzenteilen, was neben dem Schutz vor Feinden auch dem Schutz vor Austrocknung dient. In den kälteren Wintermonaten bleibt der Bau offen. Die Großen Wüstenspringmäuse sind ausschließlich nachtaktiv. Tagsüber schlafen sie in ihren Höhlen, deren Gangsystem weit verzweigt ist. Die Schlafklammer wird mit Kamelhaaren oder Pflanzenteilen ausgepolstert. Von der Schlafkammer, die auch als Nestkammer benutzt wird, führen zwei bis drei Fluchtgänge direkt nach draußen. Bei J. orientalis gibt es zusätzlich Hinweise auf das Anlegen von Vorratskammern.

Typisch für Springmäuse ist ihre Schlafposition. Sie schlafen entweder auf der Seiten liegend, wobei der Kopf leicht eingedreht wird oder, auf ihren Hinterbeinen sitzend, wobei auch hier der Kopf zur Brust hin eingedreht wird. Vor allem die Seitenlage führt bei manchen Tierfreunden dazu, dass die Tiere für tot gehalten werden. Umso größer ist das die Überraschung, wenn das vermeintlich tote Tier sich bei Annäherung mit großen Sprüngen entfernt.

Gegensätzlich Aussagen finden sich in der Literatur zum Thema Winterschlaf. Während einige Autoren angeben, dass Wüstenspringmäuse Winterschlaf halten, bestreitet dies die Mehrzahl der Autoren. Allerdings scheint es bei Springmäusen wie bei den Zwergschläfern (Graphiurus) eine durch äußere Einflüsse bedingte Schlafstarre (Torpor) zu geben. In diese verfallen sie bei Nahrungsknappheit und ungünstig kaltem und regnerischem Wetter. Durch die Absenkung sämtlicher Körperfunktionen können sie Energie sparen und somit die für sie unvorteilhaften Zeiten besser überstehen. Einige Autoren beschreiben auch eine Art "Sommerschlaf", in den die Tiere bei zu heißer Witterung und knapper Nahrung verfallen. Die Nahrung der Wüstenspringmäuse setzt sich aus Samen, Früchte und Wurzeln zusammen. Wasser wird metabolisch erzeugt und muss nicht aufgenommen werden.

Text von Ralf Sistermann
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