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STECKBRIEF

Wissenschaftlicher Name: Petaurus breviceps
Deutscher Name:
Kurzkopfgleitbeutler
Englischer Name: Sugar Glider
Ordnung: Diprotodontia
Unterordnung: Phalangeriformes
Überfamilie: Petauroidea
Familie: Petauridae
Vorkommen:
Neuguinea und viele umgebende Inseln, nördliche Molukken, Nord- und Ost-Australien
Größe:
12-21 cm + 15-25 cm Schwanz
Gewicht: 80-160 g
Geschlechtsreife: mit 6 Monaten
Tragzeit: ca. 16 Tage
Durchschnittliche Wurfgröße: 1-4 Junge, es überleben aber höchstens 2
Sozialverhalten:
Familiengruppen
Aktivitätsphasen: Nachtaktiv
Besonderheiten: Zweigeteilter Beutel
Anspruch: Hoch (Ernährung, Platzbedarf)

ALLGEMEINES

„Gremlins - kleine Monster“, das ist der Ausspruch, den ich immer wieder hören, wenn Besucher meine Kurzkopfgleitbeutler erstmalig sehen und hören. Tatsächlich gibt es zumindest dem Aussehen nach eine gewisse Ähnlichkeit. Damit haben sich dann aber auch schon die Gemeinsamkeiten.
In den USA haben sie ihren Siegeszug als Haustier bereits vor einigen Jahren angetreten, bei uns sind sie allerdings noch am Anfang ihrer Heimtierkarriere. Dabei sind sie absolut liebenswert, wenn man ihre Bedürfnisse beachtet und sie nicht zu Kuscheltieren zu degradieren versucht.

Lebensweise

Kurzkopfgleitbeutler gehören zu den Beuteltieren, genauer zu den Flugbeutlern. Auffällig sind die Gleithäute zwischen den Extremitäten, die ausgespannt ein Flugsegel ergeben, das es den Tieren ermöglicht, bis zu 45 m weit von Baum zu Baum zu gleiten. Im Ruhezustand erkennt man die Haut als weiße Wellenlinie. Ein einmaliges Kennzeichen gegenüber anderen Beuteltieren ist ihr durch eine behaarte Trennhaut in 2 Kammern unterteilter Beutel.

Ihre Heimat ist Australien und Indonesien. Die bei uns gehaltenen Tiere stammen alle aus Indonesien, da in Australien schon länger ein Exportverbot für alle heimischen Tiere besteht. Über die USA kamen sie nach Europa und schließlich nach Deutschland. Seit 2002 erleben sie in Deutschland einen wahren Boom, leider oftmals zum Nachteil der Tiere.

Kurzkopfgleitbeutler sind nachtaktive Tiere, deren Aktivitätsphase von ca. 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr reicht. Zwar kann man sie durch gezielte Fütterung an frühere Aktivität gewöhnen, dies gelingt jedoch nicht immer, und meist verschwinden die Tiere dann auch schon nach kurzer Zeit wieder in ihren Schlafhöhlen.

In ihrer Heimat leben sie in Familiengruppen. Ihr Revier markieren sie mit ihren moschusartig riechenden Sekreten, die von Duftdrüsen abgesondert werden. Adulte Männchen besitzen eine große Duftdrüse am Kopf, die als kahle Stelle auf der Stirn zu erkennen ist.

Kurzkopfgleitbeutler haben einen ausgeprägten „Familiensinn“, Einzelhaltung ist deshalb Tierquälerei. Entsprechend sollten sie mindestens zu zweit gehalten werden. Möchte man keinen Nachwuchs, sollte man zwei gleichgeschlechtliche Tiere halten, wobei sich Männchen hierfür genauso gut eignen wie Weibchen. Möchte man züchten, kann man ein Männchen mit einem oder mehreren Weibchen zusammensetzen. Dabei sollte immer darauf geachtet werden, dass es keine Außenseiter innerhalb der Gruppe gibt. Diese verkümmern auf Dauer und gehen dann ein. Deshalb sollten solche Tiere aus der Gruppe entnommen werden und mit einem neuen Partner vergesellschafte werden. In vielen Fällen klappt sogar die Haltung gemischter Gruppen mit mehreren Männchen problemlos.

Ihr Duft ist nicht jedermanns Sache und schon so mancher Kurzkopfgleitbeutler wurde nach kurzer Zeit wegen zu starker Geruchsbelästigung wieder abgegeben. Hinzu kommt, dass die Tiere ihren Urin und Kot einfach und unkontrolliert absetzen. Kloecken wie bei anderen Haustieren gibt es nicht. Dies erhöht den Reinigungsaufwand ganz erheblich, und es kann in der direkten Umgebung des Käfigs zu argen Verschmutzungen kommen. Vor der Anschaffung von Kurzkopfgleitbeutlern sollte man deshalb besser erst einmal einen Halter oder Züchter besuchen, um sich diese Nachteile direkt vor Augen bzw. in die Nase zu führen.

Anschaffung

Kurzkopfgleitbeutler wirken extrem niedlich - ihre Anschaffung will aber gut überlegt sein. Zunächst sollte man sich einige grundlegende Fragen stellen:

  1. Habe ich mich über die Ansprüche und Bedürfnisse der Tiere gut informiert, z. B. über (vorwiegend englische) Fachbücher? Durch die noch eher geringe Verbreitung der Kurzkopfgleitbeutler als Haustiere bei uns sind entsprechende Informationen teilweise schwer zu bekommen.
  2. Bin ich bereit, den starken Geruch der Tiere in Kauf zu nehmen? Kurzkopfgleitbeutler riechen wesentlich stärker als die meisten Nagetiere.
  3. Bin ich bereit, die Gabe von Lebendfutter in Kauf zu nehmen? Die Tiere sollten regelmäßig lebende Futtertiere und nicht ausschließlich entsprechende Ersatzfuttermittel erhalten. Die dabei anfallenden, nicht unerheblichen Kosten sind auch einzuplanen.
  4. Bin ich bereit, regelmäßig Zeit zum Reinigen der Käfige und deren Umgebung zu investieren? Die Verschmutzung ist höher als bei den meisten anderen Kleinsäugern, weshalb viel mehr Zeit zum Saubermachen einzuplanen ist.
  5. Ist mir bekannt, dass Kurzkopfgleitbeutler rein nachtaktiv sind? Auch wenn sie sich bisweilen in geringem Maße an frühere Aktivitätszeiten gewöhnen lassen, so muss man doch damit rechnen, sie ausschließlich nachts zu Gesicht zu bekommen und dann auch mit entsprechendem Geräuschpegel rechnen.
  6. Weiß ich, wer meine Tiere im Urlaub versorgt? Der Pflegeaufwand ist vergleichsweise hoch, so dass nicht jeder Nagerhalter auch gerne die Betreuung dieser Beuteltiere übernehmen wird.
  7. Ist mir bewusst, dass Kurzkopfgleitbeutler keine Kuscheltiere sind? Auch wenn manche Tiere sehr zutraulich werden, sollte man sich nicht der Illusion hingeben, dass sie sich als Streicheltiere eignen. Es sind und bleiben sicher noch einige Zeit echte Wildtiere zum Beobachten.
  8. Bin ich bereit, mindestens zwei Kurzkopfgleitbeutler anzuschaffen? Bei diesen sehr geselligen Tieren sind der hohe Platzbedarf für eine Gruppe sowie die in der Regel immer noch nicht unerheblichen Anschaffungskosten zu beachten.


Nur wenn alle Fragen mit einem klaren Ja beantwortet worden sind, steht einer Anschaffung der neuen Hausgenossen nichts mehr im Wege. Bleibt die Frage, woher man Kurzkopfgleitbeutler bekommt. Generell hat man zwei Möglichkeiten:

1. Zoofachhandel
Der Zoofachhandel bietet Kurzkopfgleitbeutler immer häufiger an. Leider handelt es sich dabei oftmals um Wildfänge, deren genaues Alter nicht bekannt ist. Nachzuchten finden sich noch relativ selten im Zoohandel.

2. Züchter
Der Kauf beim Züchter hat mehrere Vorteile. Neben einer ausführlichen und sachkundigen Beratung kann man sich die bisherigen Haltungsbedingungen der Tiere anschauen und dabei so manchen Tipp für zuhause erhalten. Außerdem handelt es sich um Nachzuchttiere, deren Alter bekannt ist und die nicht der Natur entnommen wurden. Der Nachteil ist, dass man manchmal einen weiteren Anfahrtsweg in Kauf nehmen muss.


Text von Ralf Sistermann
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