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ZUCHT

enn man eine Gruppe verschiedengeschlechtlicher Kurzkopfgleitbeutler zusammen hält, wird es über kurz oder lang auch zu Nachzuchten kommen. Züchten heißt allerdings auch, nur kontrolliert zu vermehren. Das fängt mit der Auswahl der Zuchttiere an. Zur Zucht geeignet sind nur gesunde Tiere, die keinerlei Verhaltensauffälligkeit aufweisen. Wählen Sie zur Zucht nur solche Tiere aus, die zutraulich sind und keinerlei Aggressivität dem Halter gegenüber zeigen. Achten Sie darauf, dass die Zuchttiere nicht miteinander verwandt sind. Wenn Sie sich bewusst die Zucht dieser Tiere entscheidet, bekommt man einen einmaligen Blick in die Entwicklung von Beuteltieren. Kurzkopfgleitbeutler bringen nach gerade einmal ca. 14 Tagen Schwangerschaft mehrere völlig nackte und absolut unfertige Junge zur Welt, die sich den Weg in den Beutel durch das Bauchfell der Mutter freikämpfen, um sich dort an den Zitzen festzusaugen. Meist schaffen dies nur 1 oder 2 Jungtiere. Zunächst ist von außen kaum etwas vom Nachwuchs zu bemerken, nach etwa 4 Wochen kann man aber eine Zunahme des Beutelumfangs erkennen. Machen Sie nicht den Fehler in die Tasche zu schauen. Verliert der Nachwuchs den sicheren Halt an der Zitze und fällt aus dem Beutel, ist er dem Tod geweiht.

Nach etwa 10 Wochen verlassen die Jungen erstmals den Beutel, dies passiert meist tagsüber im Schlafkasten, nachts kommen die Jungen weiterhin in den Beutel zurück. Die Jungen sind jetzt ca. 3-4 cm groß. 2-4 Wochen später sind die Augen der Jungen offen, und die Kleinen bleiben dann auch schon mal nachts alleine im Schlafkasten, wobei meist ein Gruppenmitglied als Babysitter zurückbleibt. Bei Würfen aus mehreren Jungtieren verlassen diese den Beutel teilweise auch schon nach kürzerer Zeit, da dann der Platz im Beutel nicht mehr ausreicht.

Wenig später wagen sich die Kleinen dann aus dem Kasten und untersuchen die nähere Umgebung. Viele Halter erliegen jetzt der Verlockung, die Kleinen anzufassen oder aus dem Käfig zu nehmen. Klägliches Geschrei und ein wütendes Muttertier sind die Folge.

Etwa drei Monate, nachdem die Jungen den Beutel verlassen haben, wird die Mutter erneut trächtig. Frühestens jetzt sollten die Jungtiere des ersten Wurfs abgegeben werden. Leider werden immer wieder zu junge Kurzkopfgleitbeutler abgegeben, die dann Defizite in der Entwicklung und im Sozialverhalten aufweisen. Verantwortungsvolle Züchter warten mit der Abgabe bis die Tiere 4-6 Monate alt sind.

Während der gesamten Jungenaufzucht hat das Weibchen einen erhöhten Eiweiß- und Calciumbedarf. Dies sollte bei der Fütterung entsprechend beachtet werden.


Text von Ralf Sistermann
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