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STECKBRIEF

Wissenschaftlicher Name:
Meriones unguiculatus
Deutscher Name:
Mongolische Rennmaus; Wüstenrennmaus
Englischer Name:

Mongolian Jird (üblicherweise werden nur Gerbillus-Arten als "Gerbil" bezeichnet, Meriones-Arten dagegen als "Jird")

Ordnung:
Rodentia
Familie:
Muridae
Unterfamilie:
Gerbillinae
Vorkommen:
Sandsteppen und Halbwüsten der Mongolei und Mandschurei
Größe:
12cm + 12cm Schwanz
Gewicht:
80-100 g
Geschlechtsreife:
Weibchen mit 8-10 Wochen, Männchen mit 10-12 Wochen
Tragzeit:
23-26 Tage
Durchschnittliche Wurfgröße:
4-6 Junge
Sozialverhalten:
Gesellig, aber in größeren Gruppen kann es zu Aggressionen kommen
Aktivitätsphasen:
Tag- und nachtaktiv. 2-4 stündliche Aktivitätsphasen
Besonderheiten:
-
Anspruch:
Einfach

ALLGEMEINES

Mongolische Rennmäuse zählen inzwischen zu den beliebtesten Kleinsäugern unter den Heimtieren. Dies ist nicht zuletzt ihrem freundlichen Wesen, den vielen unterschiedlichen Farbschlägen und ihrer unkomplizierten Haltung zu verdanken, was aber nicht heißt, dass sie anspruchslos wären.

Mongolische Rennmäuse gehören zu den wenigen Mäusen (sie sind eigentlich keine echten Mäuse, sondern gehören zu der Gruppe der Rennmausverwandten), die auch am Tag aktiv sind. Sie haben einen abwechselnden 2-4 stündigen Schlaf- und Wach Rhythmus. Dies sollte man bedenken, wenn man die Rennmäuse im Schlafzimmer unterbringen möchte, denn sie können ganz schön laut sein in der Nacht.
In der Natur leben sie in weitverzweigten, selbstgegrabenen Höhlensystemen und diesem Grabtrieb wollen sie auch in ihrem Gehege nachgehen können. Die Einrichtung wird nie so bleiben, wie der Mensch sie für die Rennmäuse hergerichtet hat, sondern wird erst mal den Vorstellungen der kleinen Bewohner angepasst, indem die ganze Einstreu umgegraben wird und Hölzer, Papprollen und ähnliches zernagt werden. Aus diesem Grund hat Plastik nichts in einem Rennmauskäfig verloren, denn dem starken Nagetrieb der Rennmäuse fällt alles zum Opfer und dabei können kleine Plastikteile verschluckt werden, die zu Erstickung führen können.
Die Zähne von Nagetieren wachsen ständig nach, daher sollten immer Knabbermöglichkeiten vorhanden sein, damit sich die Zähne abnutzen können. Dazu sind Äste von ungiftigen Bäumen geeignet, oder Nager-Kalksteine aus dem Zoohandel. Es werden besonders gerne Äste mit rauer Rinde zernagt, zum Beispiel vom Apfelbaum. Junge Sprosse sind zudem noch vitaminreich.

Mongolische Rennmäuse werden oftmals zahm. Sie kommen dann von alleine auf die Hand geklettert und suchen neugierig nach etwas Futter. Rennmäuse sind trotzdem auf keinen Fall Streicheltiere, die andauernd herumgetragen werden sollten. Sie können beispielsweise keine Höhen abschätzen, wodurch sie einfach von der Hand gleiten können. Die Verletzungsgefahr dabei ist groß. Nicht alle Rennmäuse werden zahm. Man kann versuchen sie an den Menschen zu gewöhnen, indem man ihnen besonders leckere Körner, wie Sonnenblumen- oder Kürbiskerne anbietet. Nie sollte man sie bedrängen, sie kommen schon von alleine, wenn man Geduld aufbringt.
Hochnehmen sollte man die Mäuse, indem man sie „aufbaggert“ mit beiden Handflächen. Am Schwanz sollte man sie nicht hochnehmen, da er leicht abreißen kann. Höchstens an der Schwanzwurzel, dies ist sehr hilfreich, wenn man die Geschlechter bestimmen will.

Mongolische Rennmäuse sind soziale Tiere und eine Maus alleine zu halten ist Quälerei. Von daher sollten sie immer zu zweit gehalten werden. Wer schon mal das Sozialverhalten zwischen zwei Rennmäusen beobachtet hat, wird auch nicht freiwillig eine Maus alleine halten wollen. Sie putzen sich gegenseitig, schlafen zu kleinen Türmchen gehäuft im Nest und fühlen sich einfach wohl.
Leider kommt es in größeren Gruppen häufig zu Aggressionen, die sehr blutig enden können. Nicht umsonst bedeutet Meriones unguiculatus auf Deutsch „Krieger mit Krallen“. Für einen Anfänger sind von daher Zweiergruppen empfehlenswerter. Wenn man größere Gruppen hält, sollte man diese immer gut beobachten, um aufkommende Beißereien verhindern zu können. Die Terrariengröße spielt auch eine Rolle für die Stabilität der Gruppe, mehr dazu unter dem Punkt „Unterbringung“.

VERHALTEN

Mit den Hinterpfoten klopfen: Warnsignal für die anderen Rennmäuse. Sie trommeln, wenn sie sich vor irgendwas erschreckt haben.
Langgestreckt den Bauch auf
dem Boden reiben:
Auf dem Bauch befindet sich eine Duftdrüse, die auch gut für den Menschen als ein Schlitz zu erkennen ist. Wenn sie den Bauch auf den Boden drücken, markieren sie ihr Revier.
Fiepen: Rennmäuse fiepen in hochfrequenten Tönen, damit teilen sie ihren Artgenossen etwas mit. Besonders wenn sie sich um ein leckeres Korn streiten oder im Nest, wenn sie alle auf einem Haufen schlafen und sich jemand noch mal umwälzen muss. Aber Gefiept wird auch im Kampf und Rennmausbabys fiepen nach ihrer Mutter, wenn sie hungrig sind.
Gegenseitiges Betrommeln
mit den Pfoten:
Kleine Streitigkeiten und Rangkämpfe. Meist harmlos.
Besteigen von Mäusen gleichen
Geschlechts:
Der unterlegenen Maus wird durch Besteigen demonstriert, dass sie Rangnieder ist. Wenn so ein Verhalten in einer größeren Gruppe häufiger beobachtet wird, ist Vorsicht geboten.
Gesträubtes aufgeplustertes Fell +
Schwanz wedeln:
Bei Riechen einer fremden Maus oder bei starker Gereiztheit anderen Mäusen gegenüber. Durch das Aufplustern wirkt die Maus größer, das wirkt einschüchternd. Wenn das in einer Gruppe beobachtet wird, sehr wachsam sein, da es zu Beißereien kommen kann.

VERGESELLSCHAFTUNG

Wichtig: Niemals darf man fremde Rennmäuse einfach zusammensetzen! Dies führt zu schlimmen Beißereien und wenn man die Kontrahenten nicht trennt, zum Tod des unterlegenen Tiers.
Am einfachsten ist es junge Rennmäuse zu vergesellschaften, denn diese haben noch keinen Drang Territorien zu bilden und ordnen sich älteren Mäusen unter. Gruppen zu vergesellschaften ist sehr schwierig und man sollte sich auch fragen, ob das überhaupt nötig ist. Die Gefahr, dass die Gruppen hinterher auseinander brechen ist recht hoch. Im schlimmsten Fall hat man hinterher mehrere Einzelmäuse. Außerdem bedeutet jede Vergesellschaftung nicht unerheblichen Stress für die Tiere und es besteht immer die Gefahr von Verletzungen. Von daher sollten Vergesellschaftungen möglichst nur dann durchgeführt werden, wenn eine Maus alleine ist oder ein Zuchtpärchen zusammengestellt werden soll. Man braucht Geduld, um Rennmäuse miteinander zu vergesellschaften.
Es gibt mehrere Methoden zur Vergesellschaftung von Rennmäusen, die auch bei anderen Kleinsäugern angewendet werden können. Zwei Methoden werden hier vorgestellt.

1. Trenngittermethode
In ein nicht zu großes Terrarium (maximal eine Länge von 80cm) wird ein Trenngitter gezogen, durch das sich die Mäuse riechen, aber nicht beißen können. Notfalls muss das Gitter doppellagig gespannt werden, damit die Mäuse ihre Näschen nicht durch das Gitter stecken und gebissen werden können.
Die beiden fremden Rennmäuse sollten in kurzen Abständen die Seiten wechseln, so dass sich die beiden Gerüche vermischen. Dies kann unter Umständen einige Tage dauern. Wenn man merkt, dass die Mäuse friedlicher werden (kein gesträubtes Fell mehr, weniger Trommeln, möglicherweise schlafen beide Kontrahenten nebeneinander, nur durch das Gitter getrennt), kann man sie vorsichtig in eine frische Transportbox setzen und damit sind wir schon bei der zweiten Methode.

2. Transportboxmethode
Wenn die Mäuse sehr jung sind, kann man es direkt mit der Transportboxmethode probieren ohne sie vorher durch das Trenngitter mit dem Geruch der anderen Maus vertraut zu machen. Bei der Transportboxmethode werden beide Mäuse in eine Transportbox gesetzt, die mit frischer Einstreu gefüllt ist. Durch den durch die Enge bedingten Stress kommt es meist zu keiner Beißerei. Es wird intensiv an der fremden Maus geschnüffelt, aber wenn sie sich nicht beißen, kann man sie vorerst unter Aufsicht zusammen lassen. Falls es zu einer Beißerei kommt, sollte man mit Handschuhen dazwischen gehen, denn sonst wird man im Eifer des Gefechts schnell selber gebissen. Wenn es friedlich bleibt, sollte man die Mäuse mindestens über Nacht in der Transportbox lassen.

Nachdem die Mäuse einige Zeit friedlich geblieben sind, kann man sie vorsichtig in ein frisch gereinigtes, nicht zu großes Aquarium setzen und beobachten, ob sie sich weiterhin gut verstehen. Mit der Zeit können dann mehr Einrichtungsgegenstände und vielleicht ein größeres Aquarium dazu kommen.

Unterschiede zwischen Wildtier und "Haustier"


Seit einiger Zeit halte ich zwei Gruppen mongolischer Rennmäuse, die direkt von Wildfängen abstammen und noch keinerlei Domestikationszeichen zeigen. Sie unterscheiden sich teilweise erheblich von den domestizierten Tieren. Die Wildfangnachzuchten unterscheiden sich zunächst optisch von den domestizierten Mongolen. Sie wirken gedrungener, sind nicht ganz so groß und haben einen kürzeren Schwanz, der etwas dicker als der ihrer domestizierten Vettern ist. Die Schnauze der "Wilden" ist etwas kürzer und runder.
Aber auch im Verhalten gibt es Unterschiede. Meine Wildfangnachzuchtengruppe ist sehr selbstbewusst und neugierig, hält aber immer etwas Abstand zu mir, ohne dabei scheu zu sein. Insgesamt machen sie einen intelligenteren Eindruck als die domestizierten Tiere. So dauerte es nur wenige Tage, bis sie den Öffnungsmechanismus ihres Käfigs kannten und ihn schneller öffnen konnten als ich. Auch beobachten sie sehr genau, was außerhalb ihres Terrariums vorgeht, es könnte ja sein, dass da etwas für sie abfällt.
Was sie aber für mich zu meinen absoluten Lieblingen macht, ist ihr liebevoller Umgang miteinander. Innerhalb der Gruppe wird alles gemeinsam gemacht und ich finde es immer wieder faszinierend, wenn sich eine Vielzahl von Schnauzen aus dem Nest reckt, um nachzuschauen, wer denn da wieder im Zimmer rumort.

Positiv ist auch die stärkere gesundheitliche Kondition. Bisher hatte ich keinerlei Verlust bei meinen Jungtieren. (Nestlings-)Durchfall oder ähnliches (bei den domestizierten Mongolen nichts ungewöhnliches) sind bisher nicht einmal aufgetreten. Auch mit Epilepsie, Wuschelköpfen oder ähnlichem haben die Wildfänge keine Probleme. Kurzum - für mich sind sie die Mongolen schlechthin. Nachdem ich mich aufgrund der bekannten Probleme von den domestizierten Mongolen gänzlich enttäuscht abgewandt hatte, haben sie meine Liebe zur mongolischen Rennmaus wiederbelebt. Ein Grund dafür ist auch, dass sie eben nur in ihrer aparten Agouti-Färbung existieren und es keinerlei Farbmutationen gibt. Sie sind eben ein echtes Stück Mongolei.

Im Gegensatz zu den domestizierten Mongolen kann man die Wildfangnachzuchten ohne Schwierigkeiten in gemischt-geschlechtlichen Gruppen halten. Selbst Gruppen mit mehr als 10 Tieren sind bei mir stabil und züchten mit Erfolg. Alle Aktivitäten werden von der Gruppe gemeinsam ausgeführt - auch das Babysitten.

Beim Zusammensetzen fremder Tiere ist es bei mir bisher niemals zu ernsthaften Beißereien gekommen. Zwar kam es zu Verfolgungsjagden und Rangeleien, aber Blut ist dabei nie geflossen. Dennoch beobachte ich frisch zusammengesetzte Gruppen über 1-2 Tage intensiv und halte für alle Fälle ein Anpaarungsbecken mit Trenngitter bereit.

Meine Gruppen bestehen Männchen und Weibchen verschiedener Altersstufen. Dabei bilden sich keine festen Paare aus, sondern die ganze Gruppe unternimmt alle Aktivitäten gemeinsam. Egal ob es um den Bau einer neuen Wohnhöhle oder um das Einsammeln von Nahrung geht, immer ist die ganze Gruppe aktiv.

Text von Sara Yousef
Text über Wildmongolen von Ralf Sistermann
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