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ZUCHT

Die vielen verschiedenen Farbschläge sind einer der Hauptgründe warum die Mongolische Rennmaus als Heimtier so beliebt ist, dies trug aber gleichzeitig dazu bei, dass durch undurchdachte Farbzucht der Rennmausbestand langsam degenerierte. Viele Halter berichten, dass die Lebenserwartung durch mangelnde Vitalität der Tiere in den letzten Jahren immer weiter abgenommen hat. Außerdem sind viele Tiere kaum mehr in Gruppen aus mehr als zwei Tieren zu halten, da es sonst schnell zu Aggressionen kommen kann. Diese Entwicklung ist sicherlich ein Resultat aus der einseitigen Fixierung vieler Züchter auf schöne Farben, so dass bei der Auswahl der Zuchttiere kaum auf das Wesen und die Gesundheit der Tiere geachtet wurde.

Aus diesen Gründen ist es sehr wichtig, eine kontrollierte Auswahlzucht zu betreiben, die auf keinen Fall nur das Ziel hat, schöne Farben zu züchten. In der Natur unterliegen alle Tiere einem permanenten Selektionsdruck, dies bedeutet, dass sich nur die stärksten Tiere fortpflanzen können. Schwache und kränkliche Tiere haben keine Chance. In Menschenobhut kann sich potenziell jedes Tier fortpflanzen, wenn der Mensch es zulässt. Es besteht kein Selektionsdruck, so lange er nicht vom Menschen ausgeübt wird. Aggressive Tiere sollten auf keinen Fall für die Zucht verwendet werden.

Da es genügend Internetseiten gibt, die sich mit der Farbzucht Mongolischer Renmäuse beschäftigen wird hier nicht weiter darauf eingegangen. Als Züchter solle man sich aber überlegen, ob man den Schwerpunkt nicht lieber auf gut sozialisierte und gesunde Rennmäuse legen sollte, anstatt auf bestimmte Fellfarben. Auch das häufige Trennen und neu Vergesellschaften der Zuchttiere, wenn nicht die gewünschten Farben fallen, trägt sicherlich zu dem vermehrten Auftreten von Aggressionen unter Rennmäusen bei.

Da ja wie gesagt keine natürliche Selektion mehr unter den Rennmäusen in Menschenobhut stattfindet, muss der Mensch als selektierender Faktor eingreifen und sehr auf die Wahl seiner Zuchttiere achten und nur gesunde, robuste Tiere in die Zucht nehmen. Dafür ist es sinnvoll einen Stammbaum seiner Tiere zu haben, in dem vermerkt ist, ob Erbkrankheiten oder andere Auffälligkeiten auftraten. Wenn eigene Tiere zur Zucht weitergegeben werden, sollte so ein Stammbaum auch mitgegeben werden.

Am einfachsten gelingt die Zucht mit einem Pärchen. Andere Weibchen oder Männchen in der Gruppe könnten verursachen, dass der Wurf gefressen wird.
Nach einer Tragzeit von 23-26 Tagen kommen die Jungen nackt und blind zur Welt. Dass die Jungen da sind merkt man häufig daran, dass die Mama Maus an Volumen verloren hat und aus dem Nest lautes Fiepen zu hören ist. Man sollte jetzt nicht allzu neugierig sein und die Mutter stören, aber wenn man Glück hat, legt die Maus ein offenes Nest an und man kann ab und zu einige Blicke auf die Kleinen erhaschen. Nach ca. 10 Tagen machen die Jungtiere ihre ersten Ausflüge, werden von der Mutter aber schnell wieder ins Nest zurück transportiert. Mit etwa 6 Wochen sind die Jungen entwöhnt und könnten von der Mutter getrennt werden, besser ist es aber die Jungtiere noch länger bei der Mutter zu lassen, da sie in diesem frühen Stadium noch viel von den Elterntieren lernen. Auch kann man sich fragen, ob das sehr frühe Trennen von den Eltern nicht mit ein Grund für die häufig auftretenden Aggressionen sind, da die Tiere nicht die nötigen Sozialkompetenzen aufweisen.
Normalerweise wird das Weibchen kurz nach der Niederkunft gleich wieder vom Männchen gedeckt. Wenn man keinen weiteren Nachwuchs mehr möchte, sollte man dies bedenken. Ansonsten sollte man das Pärchen, wenn sich nicht von alleine eine Zuchtpause einstellt nach etwa 3 Würfen trennen (zum Beispiel mit einem Trenngitter, wenn es nur vorübergehend sein soll), um das Weibchen zu schonen.
Die Geschlechterbestimmung ist bei adulten Tieren nicht sehr schwierig, da beim Männchen die Hoden deutlich zu erkennen sind. Etwas schwieriger ist es bei Jungtieren, man kann den Unterschied aber daran erkennen, dass der Abstand von Harnausgang und After beim Männchen deutlich größer ist als beim Weibchen.

ZUCHT der Wildmongolen

Die Zucht der Wildmongolen ist nicht ganz so einfach wie die Zucht der domestizierten Tiere. Insgesamt werfen die Tiere ca. 2-3-mal pro Jahr. Auch die Anzahl der Jungtiere pro Wurf ist mit 1-4 Tieren deutlich geringer als bei den "Heim-Mongolen".

Bei mir hat bisher immer nur ein Weibchen pro Gruppe geworfen, wobei verschieden Weibchen für Nachwuchs gesorgt haben, nicht nur das Alphaweibchen. Die Jungtiere werden von der gesamten Gruppe liebevoll betreut - Tanten und Onkel beteiligen sich ebenso an der Aufzucht der nächsten Generation wie die eigentlichen Eltern.

Erstaunlich ist die Mobilität der Jungtiere. Bereits nach 2-3 Wochen sind die Jungen im Terrarium unterwegs und folgen den Eltern, wenn diese das Nest verlassen. Meist lässt die Gruppe aber ein - zwei Babysitter zurück, die die Jungtiere wieder "Einsammeln" und ins Nest zurücktransportieren. Die erste Aufnahme fester Nahrung erfolgt bereits, wenn die Augen noch nicht ganz geöffnet sind, Grünfutter speziell Löwenzahn, Salat und ähnliches wird bereits zu diesem frühen Zeitpunkt angeknabbert, kann aber die Muttermilch noch nicht von Platz eins der Beliebtheitsskala verdrängen.

Ich lasse meine Jungtiere meist bei der Gruppe. Lediglich wenn die Gruppe insgesamt zu groß für das Terrarium geworden ist, trenne ich die Jungtiere nach ca. 6-8 Wochen ab.

Text von Sara Yousef
Text über Wildmongolen von Ralf Sistermann
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