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STECKBRIEF

Wissenschaftlicher Name: Myodes glareolus
Deutscher Name:
Rötelmaus, Waldwühlmaus
Englischer Name: Bank Vole, Red-backed Mouse
Ordnung: Rodentia
Familie: Cricetidae
Unterfamilie: Arvicolinae
Vorkommen:
Mitteleuropa, Ostasien
Größe:
8,1 – 12,3 cm + 3,6 – 7,2 cm Schwanz
Gewicht: 14 - 36 g
Geschlechtsreife: etwa 2 ½ Monate
Tragzeit: 17 - 21 Tage
Durchschnittliche Wurfgröße: 4 Junge
Sozialverhalten:
Sozial, in Kolonien lebend
Aktivitätsphasen: Tag- und nachtaktiv
Besonderheiten: -
Anspruch: Einfach

Allgmeines

Rötelmäuse gehören zu der artenreichen Gruppe der Wühlmäuse (Arvicolinae), die alle im Vergleich zu echten Mäusen eine recht gedrungene Gestalt, einen meist verhältnismäßig kurzen Schwanz und kleine Ohren besitzen. Von den einheimischen Feld- und Erdmäusen unterscheidet sich die Rötelmaus durch ein rötlicheres Fell (daher der deutsche Name) und einen etwas längeren Schwanz.

Die Rötelmaus ist in Mitteleuropa und Teilen Asiens zu Hause, dort bewohnt sie vornehmlich lichte Wälder und Waldränder, sowie Böschungen und Parks. Ihre Anwesenheit ist an das Vorhandensein von reichlichen Versteckmöglichkeiten gebunden. Die Aktionsräume weiblicher und männlicher Rötelmäuse sind in etwa gleich groß und haben durchschnittlich eine Größe von 600 m². Die unterirdischen Baue der Rötelmäuse sind einfacher beschaffen als die der Feldmäuse und bestehen häufig aus nur einer Schlafkammer. Unterirdische Gänge und Nester werden aber meist nur gebaut, wenn oberirdische Versteckmöglichkeiten nicht gegeben sind, ansonsten legen Rötelmäuse oft oberirdische Gangsysteme an, die gut durch Gras, Baumwurzeln oder Laub versteckt sind. Das Schlafnest befindet sich dann auch oberirdisch und wird in Form eines Kugelnestes angelegt, das sich aber nicht, wie das der Eurasischen Zwergmaus (Micromys minutus), weit über dem Erdboden befindet, sondern dicht am Boden in die Vegetation eingearbeitet wird.
Wie die Feldmaus ist die Rötelmaus tag- und nachtaktiv mit einer Haupaktivitätszeit im Sommer in den Nachtstunden und im Winter am Tage.

Das Gehör der Rötelmäuse ist sehr gut ausgebildet. Durch Erfahrung und Lernen reagieren sie sehr selektiv auf verschiedene Geräusche, so wird beispielsweise Verkehrslärm kaum beachtet, wobei auf Rascheln von Blättern oder das Knicken von Ästen sehr empfindlich reagiert wird, so dass sie dann schnell in ihre Baue verschwinden. Um Artgenossen zu beruhigen, fiepen die sozial lebenden Rötelmäuse im Ultraschallbereich (etwa bei 15.500 Hz), wenn sie auf Nahrungssuche sind und selbst im Laub rascheln, um zu zeigen, dass da kein Feind raschelt, sondern ein Artgenosse.

Rötelmäuse sind soziale Tiere, die in Familienkolonien leben. Inwieweit dies auch auf Männchen zutrifft ist nicht bekannt. Wie auch bei den Feldmäusen, weisen fast alle wild gefangenen Rötelmausmännchen Kampfverletzungen auf. Besonders zur Brunftzeit gehen sich die Männchen nicht aus dem Weg, sondern kämpfen miteinander, um ihre Dominanz unter Beweis zu stellen und ihren Anspruch auf das Weibchen zu verteidigen. Im Winter sind Männchen untereinander wesentlich verträglicher.
Die im Familienverband lebenden Rötelmäuse zeigen soziales Verhalten, wie gegenseitiges Putzen und das bereits erwähnte „Beruhigungs-Fiepen“.

Gesundheitliche Bedeutung haben Rötelmäuse unter anderem als Überträger von Hantaviren. In unseren Breiten führt eine Hantavirusinfektionen des Menschen im Gegensatz zu Infektionen mit den bspw. in den USA von Weißfußmäusen (Peromyscus) und anderen Gattungen übertragenen Virustypen zu verhältnismäßig harmlosen Krankheitsverläufen ohne Todesfälle, die jedoch meist eine stationäre Behandlung erfordern. Ein Schwerpunktgebiet ist das bayrische Unterfranken in der Umgebung von Würzburg. Zur Vermeidung entsprechender Probleme sollte ein enger Kontakt zu wildlebenden Rötelmäusen vermieden werden und als Heimtiere am besten nur Tiere aus langjährigen Zuchten, jedoch keine Wildfänge zumindest aus den betreffenden Gebieten gehalten werden. Die Übertragung erfolgt z. B. über Schmierinfektionen durch Kontakt mit Kot oder Urin sowie über das Einatmen kontaminierter Stäube.

Neben den wildfarbenen Tieren in je nach Herkunft unterschiedlichen Rot- und Brauntönen existiert auch eine albinotische Zuchtform.

Text von Sara Yousef und Stefan Schumacher
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