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Fortpflanzungsverhalten

Die Brunftzeit der Rötelmäuse dauert in unseren Breitengraden von März bis September. In milden Wintern kann sie aber auch ganzjährig stattfinden. Das vom brünstigen Weibchen angelockte Männchen stößt im selben Frequenzbereich gelegene Laute wie beim „Beruhigungs-Fiepen“ aus und verfolgt das Weibchen, das meist sofort in Abwehrstellung geht und die Haare aufplustert. Männchen und Weibchen klappern mit den Zähnen und das Männchen versucht sehr vorsichtig sich zu nähern. Das Abwehrverhalten des Weibchens wechselt mit Flucht ab, wobei es schnell wieder stehen bleibt, damit sich das Männchen wieder nähern kann. Mit der Zeit wird das Männchen immer weiter heran gelassen, so dass sie sich gegenseitig beschnuppern können. Wenn das Weibchen bereit ist, findet die Kopulation statt, die mehrmals wiederholt wird. Anschließend wird das Männchen bei weiteren Kopulationsversuchen weggebissen, in der Regel aus dem Nest verjagt und nicht mehr in der Nähe des Weibchens geduldet.
Durchschnittlich bringt ein Rötelmausweibchen viermal im Jahr nach einer Tragzeit von 17-21 Tagen 4 Junge zur Welt. Während der ersten Tage nach der Geburt verlässt das Rötelmausweibchen die empfindlichen nackten Jungen nur kurzzeitig, um ein Auskühlen dieser zu vermeiden. In ihren ersten Lebenstagen saugen sich die Jungen so fest an die Zitzen der Mutter, dass es häufig vorkommt, dass sie mit ihr mitgeschleppt werden. Während des Säugens treten die Jungen mit ihren Füßchen gegen den Bauch der Mutter. Durch diesen „Milchtritt“ wird die Produktion von Milch gefördert. Die Säugezeit dauert in etwa 3 Wochen, aber bereits nach 2 Wochen wird die erste feste Nahrung zu sich genommen.
Nach 3-4 Tagen beginnt das Fell zu wachsen und nach 10 Tagen werden die Augen geöffnet. Mit etwa 2 ½ Monaten sind die Tiere ausgewachsen und sie werden geschlechtsreif.

In Gefangenschaft erfolgt die Fortpflanzung ohne größere Pausen meist das ganze Jahr hindurch. Erstaunlicherweise sind Rötelmäuse meist sehr friedlich selbst bei der Vergesellschaftung ganzer Gruppen, so dass das Zusammensetzen von Paaren aus fremden Partnern überhaupt keine Probleme bereiten sollte. Zur Zucht empfiehlt sich die Haltung nur eines Paares. Im Gegensatz zu den Verhältnissen in der Natur darf hier der Vater meist mit im Nest oder zumindest in unmittelbarer Nähe bleiben, Streitigkeiten konnte ich noch nie beobachten, so dass Paare ihr Leben lang zusammen bleiben können. Zum Nestbau sollte ihnen vor allem viel Heu angeboten werden, wenngleich sie aber ansonsten auch völlig problemlos die Jungen einfach auf der normalen Einstreu ablegen und aufziehen. Ähnlich wie bei Akazienratten sorgt das Festhalten der Jungtiere an den Zitzen bis relativ spät in der Säugezeit dafür, dass aufgrund des engen Kontakts von Muttertier und Nachwuchs ein Saubermachen des Behälters völlig problemlos ist, ein Verlassen oder Töten der Jungtiere kommt praktisch nicht vor, da es kaum zur Trennung von Mutter und Jungen kommt. Ob das zu verallgemeinern ist kann ich nicht sagen, aber es scheint mehr als bei anderen Nagern üblich zu sein, dass oft ein extremes Ungleichgewicht in der Geschlechterverteilung in den Würfen herrscht, so dass häufig abwechselnd fast reine Männchen- und Weibchenwürfe erfolgen. Die Jungtiere können mit 3 Wochen problemlos von den Eltern getrennt werden, können aber auch wesentlich länger bei ihnen belassen werden. Selbst bei Anwesenheit mehrerer geschlechtsreifer Söhne kam es bei mir noch nie zu Aggressionen von Seiten des Vaters.

 

Text von Sara Yousef und Stefan Schumacher
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