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STECKBRIEF

Wissenschaftlicher Name: Acomys spp.
Deutscher Name: Stachelmäuse
Englischer Name: Spiny Mice
Ordnung: Rodentia
Familie: Muridae
Unterfamilie: Deomyinae
Vorkommen: Von Pakistan über ganz Afrika, auf Kreta, Zypern und in der Türkei
Größe: 7-15 cm + 4-13 cm Schwanz
Gewicht: 15-80 g
Geschlechtsreife: mit 2-3 Monaten
Tragzeit: 34-38 Tage
Durchschnittliche Wurfgröße: 2-4 Junge
Sozialverhalten: Je nach Art gesellig, paarweise oder solitär
Aktivitätsphasen: Je nach Art tag- oder nachtaktiv
Besonderheiten: Bringen sehr weit entwickelte Junge zur Welt
Anspruch: Mittel

ALLGEMEINES

Stachelmäuse sind Bewohner von Trockengebieten wie Halbwüsten, Felsgebieten, Savannen und Trockenwäldern vor allem Afrikas. Drei Arten kommen in Südeuropa vor, und eine Art (Acomys cahirinus) ist von Ost- und Nordafrika über den Iran bis nach Pakistan weit verbreitet. Das typische Merkmal der Stachelmäuse sind die abgeplatteten, bei Berührung „gegen den Strich“ sich stachelig anfühlenden Haare auf der Rückenpartie und an den Körperseiten, wobei es aber sehr unterschiedliche Ausprägungen des Stachelkleides gibt. Während Goldstachelmäuse (A. russatus) fast wie kleine Igel wirken, trägt die Kapstachelmaus (A. subspinosus) aus Südafrika nur ein sehr schwach stacheliges Fell. Die systematische Stellung der Stachelmäuse ist noch nicht völlig geklärt, möglicherweise gehören sie nicht einmal zu den Echten Mäusen (Murinae). Allen Stachelmäusen gemeinsam sind die sehr lange Tragzeit und der entsprechend weite Entwicklungszustand der Jungen bei der Geburt. Einige Arten zeigen ein sehr ausgeprägtes Sozialverhalten. Sie leben in großen Familiengruppen, die Weibchen helfen sich gegenseitig bei der Geburt und der Betreuung ihrer Jungtiere und säugen diese auch gegenseitig. Dies trifft jedoch nicht auf alle Stachelmäuse zu, manche sind in der Natur auch Einzelgänger oder leben höchstens in kleinen Familiengruppen.

Die Jungtiere werden bei den bekanntesten Arten bereits mit einem Gewicht von bis zu 6 Gramm geboren und sind so weit entwickelt, dass sie schon wenige Stunden nach der Geburt umherlaufen. Normalerweise werden sie wenigstens 2 Wochen lang gesäugt, jedoch können in Notfällen wie dem Tod der Mutter die Jungen auch mit nur 6 Tagen Säugezeit problemlos überleben. Durch die Geburtsgröße bedingt bekommen Stachelmäuse vergleichsweise wenige Nachkommen je Wurf, und wegen der langen Tragzeit hält sich die Vermehrungsrate im Vergleich zu anderen Mäusen sehr in Grenzen. Obwohl die Tiere in der Natur oft deutlichen Jahreszeiten ausgesetzt sind, erfolgt die Vermehrung meist das ganze Jahr hindurch gleichmäßig.

Übersicht verschiedener Stachelmausarten in Menschenobhut

Von den etwa 14 Stachelmausarten werden bei uns hauptsächlich Sinai-Stachelmäuse (A. dimidiatus) und Ägyptische Stachelmäuse (A. cahirinus) in jeweils mehreren Unterarten gehalten.
Von A. dimidiatus sind es bei uns zurzeit u. a. die Palästina-Stachelmaus (A. dimidiatus dimidiatus), die Suez-Stachelmaus (A. dimidiatus megalodus) und die Helle Sinai-Stachelmaus (A. dimidiatus ssp.). Von A. cahirinus werden die Dunkle Nilstachelmaus (A. cahirinus cahirinus), die Tibesti-Stachelmaus (A. cahirinus seurati) sowie die Abu-Simbel-Stachelmaus (A. cahirinus ssp.) gehalten.
Über die Unterscheidung von Sinai- und Ägyptischen Stachelmäusen sind sich verschiedene Autoren allerdings uneinig, viele betrachten A. dimidiatus auch nur als Unterart oder Form von A. cahirinus. Während die etwas größeren Sinai-Stachelmäuse nicht die Nähe des Menschen suchen, dringen Ägyptische Stachelmäuse auch in Häuser ein. Die Nähe zum Menschen kann problematisch sein, da Stachelmäuse Typhus- und andere Krankheitserreger tragen.

Sinai-Stachelmaus
(Acomys dimidiatus)
Palästinastachelmaus
(Acomys dimidiatus dimidiatus)

Nilstachelmaus
(Acomys cahirinus cahirinus)

Abu-Simbel-Stachelmaus
(Acomys cahirinus ssp.)


Türkei-Stachelmaus
(Acomys cilicicus)
Goldstachelmaus
(Acomys russatus russatus)

Zwergstachelmaus
(Acomys spinosissimus)
Kap-Stachelmaus
(Acomys subspinosus )

Andere seltener gepflegte Arten sind die in der Natur sehr gefährdete Türkei-Stachelmaus (A. cilicicus) und die Kreta-Stachelmaus (A. minous), die helle Form der nordafrikanischen Goldstachelmaus (A. russatus russatus) und seit kurzem die Zwergstachelmaus (A. spinosissimus) aus Tansania.
Die meisten der acht oder neun übrigen Arten aus Afrika und Zypern dürften bei uns nicht oder kaum verbreitet sein. Gelegentlich gelangen weitere Arten durch Importe zu uns, die dann aber wahrscheinlich oft nicht richtig erkannt und einfach als A. cahirinus oder A. dimidiatus angeboten werden, was nicht verwundert, da es schon bei den wenigen bereits länger bei uns gehaltenen Arten regelmäßig zu Verwechselungen kommt.

Vergesellschaftung mit anderen Mäusearten?

Gerade Sinai-Stachelmäuse werden leider häufig mit anderen Mäusearten wie Haus- oder Vielzitzenmäusen vergesellschaftet. Dies scheint immer wieder auch ohne größere Komplikationen zu funktionieren, aber aufgrund der oft erheblichen Größenunterschiede und teilweise auch sehr verschiedenen Lebensweisen ist doch fraglich, ob sich die Tiere in solchen gemischten Gesellschaften ähnlich wohl fühlen wie in gleichartigen Gruppen, bzw. in wie weit die Tiere irgendeinen Nutzen daraus ziehen können. Ihre Ansprüche an die Umgebung, Ernährung usw. weichen teils doch gravierend voneinander ab. So sind Stachelmäuse wesentlich wärmebedürftiger als etwa Hausmäuse und damit besser in zusätzlich beheizten, teils auch recht hell beleuchteten Wüstenterrarien aufgehoben, was den Hausmäusen auf Dauer nicht gut bekommen würde, für die zur Haltung allgemein 20 – 22°C empfohlen werden. Ebenso ist die Aufnahme von Haus- oder Vielzitzenmausfutter durch Stachelmäuse aufgrund des deutlich unterschiedlichen Stoffwechsels als sehr problematisch anzusehen.

Text von Stefan Schumacher
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