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UNTERBRINGUNG

In der Natur werden trockene Gebiete wie Savannen und Steinwüsten bewohnt. Viele Arten sind Felsbewohner, und alle sind dementsprechend sehr gute Kletterer oder zu weiten Sprüngen befähigt, was bei der Haltung zu berücksichtigen ist. Es sollten möglichst hohe Terrarien gewählt werden, die mit vielen Korkröhren, Kletterästen oder auch Steinaufbauten ausreichend Klettergelegenheiten bieten. Da Stachelmäuse eher wenig nagen, lassen sich auch sehr schöne Biotopterrarien auf Dauer einrichten. Als Boden können außer Kleintierstreu auch andere Materialien verwendet werden; Sand sieht in naturnah eingerichteten Terrarien sicher am schönsten aus. Aufgrund der unterschiedlichen Verhaltensweisen der verschiedenen Arten können aber ansonsten schlecht allgemeingültige Angaben zu den Haltungsansprüchen gemacht werden.

Sinai- (Acomys dimidiatus) und Ägyptische Stachelmäuse (A. cahirinus) sind sehr flinke, gesellige Tiere, die sich oft gut in größeren Gruppen halten lassen. Dementsprechend sollten die Behältermaße so gewählt werden, dass auch einige Tiere ausreichend Platz haben, um herumzuklettern und sich bei Bedarf auch aus dem Weg zu gehen. 100 x 50 x 50 cm sollten das Minimum darstellen, vor allem je höher desto besser, da sich die Behälter dann wesentlich tiergerechter mit Klettermöglichkeiten einrichten lassen. Überhaupt sollte bei allen Arten zumindest bei Gruppenhaltung auf eine möglichst dichte, vielseitige Einrichtung mit einigen Versteckmöglichkeiten geachtet werden, da Stachelmäuse sehr zarte Schwanzhäute haben und bei Streitigkeiten leicht Verletzungen bis zum Verlust eines Großteils des Schwanzes vorkommen, wenn die unterlegenen Tiere nicht schnell Deckungen aufsuchen können. Ganz vermeiden lässt sich das aber oft nicht, und selbst in der Natur scheint der Verlust des Schwanzes häufig vorzukommen. Auch sind oft trotz solcher Verletzungen keine sonstigen Probleme in den Gruppen festzustellen, es kommt weiterhin zur Vermehrung, und die schwanzlosen Tiere (meist Männchen) scheinen auch nicht besonders beeinträchtigt zu sein. Nehmen die Streitereien und Verfolgungsjagden speziell der Männchen jedoch überhand, kann es sinnvoll sein, nur ein Männchen mit mehreren Weibchen zu halten und auch reine Weibchengruppen sind möglich. Reine Männchengruppen bleiben auch bei völliger Abwesenheit von Weibchen oft nicht sehr lange stabil, bzw. es treten zumindest auch dort häufig Schwanzverletzungen auf. Bei mir waren Palästina-Stachelmäuse friedlicher als andere Unterarten von A. dimidiatus, bei A. cahirinus erwies sich die schwarze Form als am geselligsten.

Schwieriger in der Gruppenhaltung sind Goldstachelmäuse, diese konnte ich als Erwachsene auf Dauer bisher nur als Paare oder ein Männchen mit zwei Weibchen halten. Als ideal erwies sich für ein Paar ein Terrarium von 80 x 50 x 100, für ein Trio ein Terrarium von 150 x 60 x 60 cm. Bei dieser Art treten auch wesentlich mehr Tiere auf, denen der Schwanz wirklich komplett fehlt oder die bei Beißereien auch Beschädigungen an den Ohren und der Rückenhaut davontragen. Überhaupt scheint bei Goldstachelmäusen die interessanterweise schwarze Haut wesentlich empfindlicher zu sein als bei anderen Stachelmäusen, so dass hier vergleichsweise oft Beschädigungen auftreten. Sie sind sehr wärmebedürftig und sollten einen Wärmestrahler erhalten, unter dem manche Tiere fast den ganzen Tag liegen bleiben. Da es sich um eine tagaktive Art handelt, kann statt der üblichen Rotlichtlampe auch sehr gut ein heller Strahler verwendet werden und bei dunklem Standort des Terrariums sollten zusätzlich auch Leuchtstoffröhren für Helligkeit sorgen. Da Goldstachelmäuse aus extrem kargen Lebensräumen mit knappem Nahrungsangebot kommen, verfetten sie in Gefangenschaft sehr leicht. Deshalb sollten sie viel Platz und eine gut strukturierte Einrichtung erhalten, damit sie sich ausreichend bewegen können.

Bei Sinaistachelmäusen, die ebenfalls teilweise sehr fett werden, haben manche Halter gute Erfahrungen mit Laufrädern gemacht. Ob andere Arten wie Goldstachelmäuse diese annehmen und damit zurechtkommen, kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall ist auf eine unbedenkliche Konstruktion der Laufräder zu achten, da alle Stachelmäuse sehr schnell Verletzungen an den empfindlichen Schwänzen davontragen, weshalb sie auch keinesfalls am Schwanz festgehalten werden dürfen.

Zwergstachelmäuse lassen sich am besten als Pärchen halten, bei Gruppenhaltung kommt es häufig zum Fressen der Jungtiere und zu Kämpfen unter den Adulten, die durchaus schnell zum Tod des Schwächeren führen können. Paare sind jedoch sehr friedlich, und aufgrund ihrer geringen Größe und ihres eher ruhigen Verhaltens eignen sich für diese Art auch etwas kleinere Terrarien als die o. g. Maße gut.

Text von Stefan Schumacher
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