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ZUCHT

Steppenlemming gehören zu den fruchtbarsten Nagetieren überhaupt. Nicht nur die große Anzahl von Jungtieren pro Wurf, auch die frühe Fruchtbarkeit trägt dazu bei. Im Alter von wenigen Wochen sind junge Lemminge bereits in der Lage, selbst für Nachwuchs zu sorgen. Die Zucht gelingt bei entsprechender Haltung und Ernährung ohne Probleme, man sollte sich daher schon frühzeitig die Frage nach dem Verbleib der Jungtiere stellen.

Anmerkung zur Zucht des Grauen Steppenlemmings

Die Zahl der Steppenlemminghalter und –züchter nimmt momentan rasant zu. Bald schon könnte der Steppenlemming ein genauso beliebtes und verbreitetes Haustier werden wie die verschiedenen Hamsterarten. Zu beachten ist aber, dass es sich bei dem Steppenlemming (noch) um kein domestiziertes Haustier handelt, wie beispielsweise der Syrische Goldhamster, der sich schon seit Jahrzehnten in Menschenobhut befindet. Aus diesem Grund tragen alle Steppenlemmingzüchter eine große Verantwortung, denn es liegt nun in ihren Händen in was für eine Richtung sich diese Art entwickelt. Dies trifft natürlich für Züchter jeglicher Tierarten zu, der Steppenlemming befindet sich aber momentan an der Weiche vom Wild- zum Haustier. Wahrscheinlich wird momentan kaum ein Kleinsäugerexot so häufig gehalten wie der Graue Steppenlemming und es werden immer mehr. Damit den Steppenlemmingen ein Schicksal wie den Mongolischen Rennmäusen oder den verschiedenen Zwerghamsterarten der Gattung Phodopus erspart bleibt, ist die richtige Auswahl der Zuchttiere sehr wichtig. Die von Natur aus geselligen Mongolischen Rennmäuse und auch die in Familiengruppen oder monogamen Paaren lebenden Zwerghamster (vgl. Text Sozialverhalten) sind heute oftmals kaum noch in Gruppen von mehr als zwei Tieren haltbar, Zwerghamster sind häufig sogar überhaupt nicht mehr mit Artgenossen vergesellschaftbar. Dies scheint das Resultat jahrelanger falscher Zucht bzw. Vermehrung zu sein, wo bei der Wahl der Zuchttiere, wenn überhaupt, nur auf die Fellfarbe geachtet wurde, denn entsprechende Wildformen von Mongolischen Rennmäusen und auch Phodopus-Arten, bei denen der Mensch noch nicht in dem Maße züchterisch eingegriffen hat, erweisen sich da als viel unproblematischer und sozialer. Zum Glück spielt bei Steppenlemmingen die Farbzucht keine Rolle, da meines Wissens bisher noch keine Farbmutationen aufgetreten sind, allerdings häufen sich die Berichte von blutigen Auseinandersetzungen zwischen Steppenlemmingen und viele Gruppen müssen nach kurzer Zeit wieder getrennt werden, da es zu Kämpfen zwischen den Tieren kommt. Wenn man auf die Dauer in Gruppen haltbare Steppenlemminge haben möchte, muss man hier ansetzen und streng seine Zuchttiere selektieren. Inzwischen gilt oft als einziges Kriterium für das richtige Zuchtpaar, ob die zu verpaarenden Tiere miteinander verwandt sind oder nicht, denn Inzucht wird von vielen Leuten für alle Probleme verantwortlich gemacht, die bei der Zucht von Mongolischen Rennmäusen und anderen Tierarten aufgetreten sind. Derartige Fixierung auf einen einzigen Faktor bringt der Tierart auf lange Sicht gar nichts. Um gesunde und friedliche Stämme in Menschenobhut aufzubauen, ist die strenge Selektion der Zuchttiere das A und O. Aus dem Grund sollten ausschließlich friedliche und gesunde Tiere in die Zucht gehen. Wenn Aggressionen in einer Familie auftreten, müssen diese Tiere sofort aus der Zucht genommen werden. Es ist durchaus normal, dass männliche Steppenlemminge sich in Gruppen eher aggressiv verhalten, da sie auch in der Natur teilweise solitär leben, durch konsequenten Ausschluss und Wahl der friedlichsten Tiere zur Zucht, kann man diesen Tendenzen aber sehr wahrscheinlich entgegen wirken. So gibt es inzwischen aus solchen konsequenten Zuchten sehr friedliche Goldhamsterstämme, die obwohl sie in der Natur als strikte Einzelgänger leben, sogar in Gruppen haltbar sind. Selbst bei der Jungenaufzucht gibt es keine Probleme bei der Anwesenheit von Artgenossen. Im Vergleich zu den Goldhamstern steckt die Zucht der Steppenlemminge noch in ihren Kinderschuhen und deshalb sollte bei ihnen von anfang an vermieden werden, was bei den bereits erwähnten Tierarten schief gelaufen ist. Ziel eines jeden Steppenlemmingzüchters sollte es sein, möglichst friedliche und gesunde Tiere zu züchten, damit sich diese Tierart auch in Zukunft gut halten lässt und die Grauen Steppenlemminge einen besseren Start auf ihrem Weg in die Domestikation erhalten, als viele Kleinsäugerarten vor ihnen.

Text von Ralf Sistermann
Anmerkungen zur Zucht des Grauen Steppenlemmings von Sara Yousef
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