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UNTERBRINGUNG

Die „echten“ L. barbarus sind sehr gesellige und flinke Tiere, die am besten auch in größeren Gruppen und damit auch entsprechenden Terrarien von wenigstens 100x50x50 cm gepflegt werden sollten. Bei den mutmaßlichen Hybriden ist Paarhaltung empfehlenswert. Bei allen Formen ist sowohl eine gemischte als auch eine gleichgeschlechtliche Haltung möglich, bei den Hybriden dürfen gemischte Gruppen aber niemals mehrere geschlechtsreife Männchen enthalten. Bei ihnen kommt es in solchen Gruppen auch zwischen mehreren Weibchen oft zu Problemen, so dass nur die Haltung eines Paares oder reiner Männchen- oder Weibchengruppen empfehlenswert ist, wobei Männchengruppen v. a. aus Brüdern oft friedlicher sind als entsprechende Weibchengruppen.

Wichtig: Als Einzeltiere dürfen überhaupt keine Grasmäuse gehalten werden, egal welcher Art!

Hält man extrem hektische Tiere, so kann es besser sein, keine Terrarien mit nach vorne zu öffnenden Schiebescheiben, sonder besser Aquarien mit Drahtdeckel zu verwenden, aus denen sie nicht so leicht entkommen können. Möchte man den Behälter etwas natürlicher einrichten, kann man an Stelle von Kleintierstreu auch Holzmaterial wie Rindenmulch und Buchenspäne oder auch Sand verwenden. Die Mäuse geben vergleichsweise wenig Urin und Kot ab, so dass ein Austausch des Bodensubstrates nicht sehr oft notwendig ist. Viel möglichst langstieliges Heu zum Nestbau, Holzhäuschen, Korkröhren, größere Steine usw. vervollständigen die Einrichtung. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass den Mäusen möglichst viele erhöhte Sitzflächen angeboten werden, auf denen sie als „Aussichtsplattform“ viel Zeit verbringen. Sie klettern sehr gerne, jedoch nicht sehr geschickt. Deshalb sollte ihnen z.B. mit flachen Korkstücken der Weg zur nächst höheren Sitzfläche ermöglicht werden. Nimmt man Gitterkäfige statt Glasbehältern, lassen sich aus Holzbrettern sehr leicht mehrere Ebenen einbauen, die die Tiere ausgiebig nutzen. Vielleicht fühlen sie sich sicherer, wenn sie ständig die Umgebung beobachten können.

Einige Vielstreifengrasmäuse benutzen gerne Laufräder. Über deren Verwendung gibt es widersprüchliche Meinungen. Will man seinen Tieren ein Laufrad anbieten, sollte auf jeden Fall auf einen sehr großen Durchmesser und eine geschlossene Bauweise geachtet werden, da sie einen sehr langen und empfindlichen Schwanz haben, der bei kleinen Laufrädern mit Speichen schnell beschädigt werden kann, ebenso kann es leicht zu Verletzungen der Beine kommen. Auch beim Anfassen muss man entsprechend aufpassen. Zahme Tiere kommen häufig von sich aus auf die Hand gelaufen und können dann problemlos hochgenommen werden. Scheue Exemplare sind oft schwierig zu fangen und fast nur am Schwanz festzuhalten.

Wichtig: Es muss unbedingt auf einen Griff direkt an der Schwanzwurzel geachtet werden, da sonst bei Tieren, die zu fliehen versuchen, sehr leicht die Schwanzhaut abreißt!

Am besten werden besonders schreckhafte Tiere z.B. zum Saubermachen mitsamt ihrem Häuschen oder einer Korkröhre aus dem Behälter genommen. Auch durchsichtige Kunststoffrohre o. ä. in die man die Mäuse hineintreibt, können sehr praktisch sein.

Als tagaktive Tiere wollen sie einen hellen Standort, ansonsten sollte der Behälter zusätzlich beleuchtet werden. Sie sind allerdings im Vergleich zu anderen Grasmäusen auch viel in der Dämmerung aktiv. Wärmestrahler werden nicht unbedingt benötigt, wenn der Behälter so aufgestellt ist, dass die Temperatur nicht deutlich unter normale Zimmertemperaturen fällt; sie werden aber gerne angenommen.

Meine Erfahrungen beschränken sich auf die 3 erwähnten Formen. Man sollte sich auf jeden Fall genau beim Züchter über Pflege und Verhalten der Tiere informieren, da doch große Unterschiede bestehen können.

Text von Stefan Schumacher
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