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ZUCHT

Je nachdem, welche Vielstreifengrasmäuse man nun tatsächlich hält, kann die Zucht sehr unterschiedlich verlaufen. Viele Halter haben große Schwierigkeiten damit, die Tiere überhaupt zur Fortpflanzung zu bringen und wenn diese sich schließlich doch vermehren, werden nur sehr wenige Junge geboren. Dies traf bei mir auf die vermutlichen Hybriden und die Tiere aus Ghana zu. Bei den Hybriden kommt es oft zu erheblichen Streitigkeiten zwischen den Weibchen, wenn mehrere zugleich Nachwuchs haben. Sie versuchen häufig, sich gegenseitig die Neugeborenen zu entwenden und tragen diese teils tagelang immer wieder von Nest zu Nest, so dass zum Schutz der Jungtiere manchmal eines der Weibchen entfernt werden muss und das andere die Jungen dann alleine aufzieht. Auch gegenüber dem Männchen können die Weibchen gerade wenn Nachwuchs vorhanden ist äußerst aggressiv sein, so dass dieses entweder ausreichend Versteckmöglichkeiten zur Verfügung haben oder entfernt werden muss. Während der ersten Tage nach einem Wurf darf das Männchen oft nicht in die Nähe des Nestes. Sind die Jungtiere schließlich größer, kann es zu großen Problemen kommen, wenn der Vater aggressiv gegenüber seinen Söhnen wird, die deshalb unbedingt vor ihrer Geschlechtsreife abgetrennt werden müssen. Ansonsten kann es zu schweren Verletzungen bis zum Tod kommen. Und dabei darf man sich auch nicht davon täuschen lassen, dass die Familie bis dahin einen friedlichen Eindruck macht. Oft kommt es urplötzlich zu Todesfällen, auch wenn noch am Tag zuvor Erwachsene und Nachwuchs dicht an dicht friedlich zusammen auf einem Haufen geschlafen haben. Selten kündigen sich die Schwierigkeiten rechtzeitig an, meist wird man von einer schwer verletzten Maus überrascht, so dass man wirklich auf das rechtzeitige Trennen von Eltern und Nachwuchs achten sollte. Selten erfolgen über einen längeren Zeitraum regelmäßig Würfe, oft legen die Tiere mehrmonatige Pausen ein und die Würfe umfassen oft nur 2 oder 3 Jungtiere. Evtl. ist dies auch temperatur- bzw. jahreszeitlich bedingt, da zumindest manche Tiere in unseren Wintermonaten die Vermehrung ganz einzustellen scheinen und bei zunehmenden Temperaturen wieder damit anfangen. Sind sie in relativ kühlen Räumen untergebracht, kann vielleicht mit Heizmatten und Wärmestrahlern eine bessere Vermehrungsrate erzielt werden.

Im Vergleich dazu sind die nordafrikanischen Vielstreifengrasmäuse sehr unproblematisch. Oft ziehen mehrere Weibchen gemeinsam ihren Nachwuchs auf, der Vater wird vom Weibchen meist bei den Jungtieren im Nest geduldet und der ältere Nachwuchs darf bei der Geburt der nächsten Jungtiere ebenfalls mit im Familiennest bleiben. Da adulte Männchen einer Familie untereinander nicht aggressiv sind, können die Söhne auch über ihre Geschlechtsreife hinaus bei den Eltern belassen werden und zum Aufbau einer größeren Gruppe beitragen. Meist erfolgt die Vermehrung das ganze Jahr über gleichmäßig. Manchmal setzen die Tiere eine Weile mit der Fortpflanzung aus, jedoch kaum über viele Monate wie die Hybriden. Die Wurfgrößen sind mit 6 bis 8 Jungtieren im Durchschnitt wesentlich höher.

Aufgrund solcher Unterschiede ist es wieder notwendig, sich beim Vorbesitzer genau über das Verhalten, die Vermehrungsrate usw. zu erkundigen, um nicht hinterher enttäuscht oder mit zu viel Nachwuchs überfordert zu sein. Besonders wichtig ist es, sich über eventuelle Aggressionen der Mäuse zu erkundigen, da Verletzungen bei Vielstreifengrasmäusen sehr heftig ausfallen und auch schnell tödlich sein können. Da auch zur Zucht eigene Erfahrungen nur mit drei verschiedenen Formen von Vielstreifengrasmäusen vorliegen, könnten sich Tiere anderer Herkunft auch ganz anders hinsichtlich Fortpflanzung und Verträglichkeit verhalten.

Text von Stefan Schumacher
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